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Antonín Dvořák

Othello Ouvertüre op. 93

Harding, Sveriges Radios Symfoniorkester, 2017
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Dvořáks Ouvertüre nach Shakespeare lebt von zarten harmonischen Wendungen und kraftvollen Steigerungen, denen Harding allen Raum gewährt.

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  • Antonín Dvořák
  • Sveriges Radios Symfoniorkester
  • Daniel Harding
  • Berwaldhallen Stockholm
  • 12.01.2017

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t1 Konzertführer
Antonín Dvořák
Ouvertüren Dvořáks

Der Weg zur symphonischen Dichtung ist im Schaffen Antonín Dvořáks nicht nur durch die neunte Symphonie gewiesen, sondern auch durch die Gattung der Ouvertüre. Deren erste Beiträge sind allerdings ursprünglich Opern- und Schauspielouvertüren, also Musik für das Theater, gewesen. Dies gilt für die Dramatische Ouvertüre (ursprünglich zu Dvořák Opernerstling Alfred der Große gehörend, 1870) wie für die Ouvertüre Dimitrij (zur gleichnamigen Oper, einer Art Fortsetzung des Stoffs von Mussorgskys Boris Godunow, 1882), die es – nach Art der Beethoven‘schen Leonoren-Ouvertüren – unternehmen, die wesentlichen Gestalten und Geschehnisse des Dramas in einem rein instrumentalen Vorspiel zu konzentrieren. Von leichterer Art ist die Ouvertüre op. 62, Domov muj (Mein Heim), ursprünglich zur Musik für das Schauspiel Josef Kajetán Tyl gehörig; der Dichter und Schauspieler dieses Namens (1808-1856) gehört zu den Begründern der tschechischen Nationalliteratur im 19. Jahrhundert und schrieb den Text der Nationalhymne Kde demov muj (Wo ist mein Heim), auf den der Titel der Ouvertüre zu Recht anspielt: Hier übernimmt Dvořák tatsächlich einmal ein Liedthema direkt. Ist das Sujet dieses Werkes patriotisch zu nennen, so steigert sich der Ausdruck dessen noch in der nur ein Jahr später, 1883, geschriebenen Dramatischen Ouvertüre Husitska op. 67: Geplant für eine nie zustande gekommene Schauspieltrilogie, löst sich dieses gewichtige Werk bereits aus dem Bannkreis des Theaters – ein monumentales Gegenstück zu Smetanas Tábor, das diesem an Ausdruckskraft ebenbürtig ist. Zugleich aber wird der Unterschied in der Haltung wie im Naturell beider Meister deutlich: Smetanas monothematischer, ganz und ausschließlich auf dem Hussiten-Choral basierender Arbeit steht bei Dvořák ein Sonatensatz gegenüber, dessen langsame Einleitung schon sowohl das Hussitenlied wie auch den St. Wenzels-Choral einführt (also gewissermaßen die ‚katholische‘ und die ‚protestantische‘ Seite), die als verwendete Themensubstanzen zu einem ‚klingenden Nationaldenkmal‘ verarbeitet werden. Die hochgespannte, pathetische Atmosphäre dieser Ouvertüre verrät die zeitliche Nähe zur siebten Symphonie.

Im unmittelbaren Vorfeld der symphonischen Dichtung bewegen sich die als Trias geplanten drei Ouvertüren In der Natur op. 91, Carneval op. 92 und Othello op. 93. In der musikalischen wie inhaltlichen Konzeption bilden diese Werke einen Zyklus, der durch thematische Verknüpfungen zusammengehalten wird. Detaillierte literarische Programme liegen ihnen nicht zugrunde, auch Othello nimmt auf das Shakespearesche Drama nur in Umrissen Bezug; Dvořáks Absicht erhellt aus dem gemeinsamen Titel des Zyklus Natur, Leben und Liebe, wobei mit ‚Liebe‘ auch und gerade die zerstörerische Leidenschaft der Eifersucht gemeint ist. Die Sonatenform (mit langsamen Einleitungen) wird jeweils individuell behandelt: Carneval enthält vor der Durchführung einen ausgedehnten langsamen Einschub, Othello arbeitet mit Themengruppen statt jeweils nur einem Haupt- und Seitenthema; das musikalische Seelendrama dieses letzten der drei 1891 komponierten Werke gemahnt mit seinem grellen, tragischen Schluss an Tschaikowskys Francesca da Rimini (op. 32).
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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