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Strauss: Tondichtungen

Wiener Symphoniker, Gautier Capuçon, Philippe Jordan

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Das Cello verkörpert den trotteligen Ritter Don Quixote und im Heldenleben beschreibt der große Richard Strauss sich selbst. Ironisch? Fakt ist, diese Musik unterhält bestens. Mit Tondichtungen wie Don Quixote und Ein Heldenleben etablierte sich der junge Strauss als einer der brillantesten Vertreter der musikalischen Moderne Deutschlands. 

© Gautier Capuçon erscheint mit freundlicher Genehmigung von Erato/Warner Classics www.warnerclassics.de

Livestream
29.05.2018, 19:30 Uhr
Danach weiter verfügbar
(Ticket gültig für 30 Tage, im Premium-Abonnement unbegrenzt.)
exklusiv
Jordan, Wiener Symphoniker, Capuçon: Strauss
  • Richard Strauss
  • Wiener Symphoniker
  • Philippe Jordan
  • Gautier Capuçon
  • Konzerthaus Wien
Programm
Don Quixote op. 35
  1. Introduktion: Mäßiges Zeitmaß – Don Quichotte verliert über der Lektüre der Ritterromane seinen Verstand und beschließt, selbst fahrender Ritter zu werden

  2. Thema. Mäßig – Don Quichotte, der Ritter von der traurigen Gestalt

  3. Maggiore – Sancho Pansa

  4. Variation I: Gemächlich – Abenteuer an den Windmühlen

  5. Variation II: Kriegerisch – Der siegreiche Kampf gegen das Heer des großen Kaisers Alifanfaron

  6. Variation III: Mäßiges Zeitmaß – Gespräch zwischen Ritter und Knappen

  7. Variation IV: Etwas breiter – Unglückliches Abenteuer mit einer Prozession von Büßern

  8. Variation V: Sehr langsam – Die Waffenwache

  9. Variation VI: Schnell – Begegnung mit Dulzinea

  10. Variation VII: Ein wenig ruhiger als vorher – Der Ritt durch die Luft

  11. Variation VIII: Gemächlich – Die unglückliche Fahrt auf dem venezianischen Nachen

  12. Variation IX: Schnell und stürmisch – Kampf gegen vermeintliche Zauberer

  13. Variation X: Viel breiter – Zweikampf mit dem Ritter vom blanken Mond

  14. Finale: Sehr ruhig – Wieder zur Besinnung gekommen

Ein Heldenleben. Tondichtung für großes Orchester op. 40
  • Richard Strauss
  • Wiener Symphoniker
  • Philippe Jordan
  • Gautier Capuçon
  • Konzerthaus Wien
t1 Konzertführer
Richard Strauss
Ein Heldenleben, Tondichtung, op.40

Man hat in dieser Komposition ein musikalisches Selbstporträt sehen wollen, in dem der Komponist, nach mehr oder weniger maskierten „Vorstufen“, hier in besonders aufdringlicher Weise „eitle Selbstbespiegelung“ betrieben habe. Galt Strauss den Konservativen noch immer als „Verderber“ geheiligter Traditionen, so wurde er der jüngeren Generation schon zum Exponenten bürgerlich-reaktionären Etabliertseins, eines „musikalischen Wilhelminismus“; Igor Strawinsky prägte das Wort von der „triumphierenden Banalität“ Straussscher Musik. Wenig bekannt ist indessen, dass zwei Generationsgenossen des Russen vom Heldenleben tief beeinflusst wurden: Arnold Schönberg in seiner 1903 vollendeten symphonischen Dichtung Pelleas und Melisande, op. 5 und Béla Bartók in seiner zur gleichen Zeit entstandenen symphonischen Dichtung Kossuth. Gewiss sind beide Werke noch während der Entwicklungsjahre der beiden Jüngeren komponiert worden, doch gibt solche Anregerfunktion des Heldenleben Anlass zu Zweifeln, ob es mit der eingangs genannten Charakterisierung sein Bewenden haben dürfte. Möglicherweise hatte die Entstehungszeit am Ende des ‚romantischen‘ Jahrhunderts Strauss veranlasst, Bilanz des bis hierher Erreichten zu ziehen; das Heldenleben resümiert die gewonnenen Erfahrungen der formalen Gestaltung, integriert diesmal auch die Groteske als Teil in den Gesamtablauf und zitiert aus allen älteren Tondichtungen einzelne Themen. Programmatische Hinweise existieren nur in Form von Überschriften der einzelnen Abschnitte, ähnlich wie im Zarathustra. Andererseits sind es stets Vorstellungen dramatischer Vorgänge, an denen sich die Phantasie des Komponisten entzündet; gerade beim Heldenleben ist dies aus den Skizzenbüchern deutlich zu ersehen.

Die Affinität dieser Musik zu den bald darauf komponierten Musikdramen wird zum Beispiel an dem expressiven Liebesthema deutlich, das auf die Salome-Musik vorausweist. Die geforderte Stärke des Orchesters entspricht weitgehend der Elektra-Besetzung mit ihren acht Waldhörnern. Mit dem Heldenleben schließt sich im Schaffen von Richard Strauss ein Kreis, dessen innere Möglichkeiten – das zeigte schon die Problematik des Don Quixote an – ausgeschöpft erschienen; rein äußerlich wird diese Abrundung auch durch den, im Vergleich zu allen anderen Tondichtungen für Strauss ungewöhnlichen, Schluss des Werkes: Endeten die vorhergehenden Tondichtungen (abgesehen von der Schlussgrimasse des Till) im verklingenden Pianissimo, so beschließt eine große crescendierende Akkordfolge dieses letzte Werk, allerdings ist dies eine nachträgliche Änderung. Die Frage nach autobiographischen Zügen des Werkes kommt hier einem Qualitätsurteil gleich – im Kampf des Helden mit seinen Widersachern und der Liebesszene darf man sicher solche Züge erkennen, und hier hält die Musik durchaus das Niveau des Don Juan; auch ästhetisch fragwürdig dagegen sind die Partien, in denen eine Analogie zwischen ‚Held‘ und Komponist ausgeschlossen ist, vor allem der Schlachtenpomp (‚Des Helden Walstatt‘) und der Schluss (‚Des Helden Weltflucht und Vollendung‘).
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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