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Bayerisches Nationaltheater, München

Leoš Janáček

Aus einem Totenhaus

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„Totenhaus“ – so wird das sibirische Strafgefangenenlager von denen genannt, die hier eingesperrt sind: Diebe, Totschläger, Mörder, politische Gefangene. Dieser Ort der Überwachung und Bestrafung mit seinen ganz eigenen Regeln von Macht und Unterwerfung, seinen Rangordnungen und den Schikanen der Bewacher liegt fernab der zivilisierten Gesellschaft, ist zugleich ihr blinder Fleck und ihr Spiegel. Frank Castorf inszeniert an der Bayerischen Staatsoper Leoš Janáčeks Aus einem Totenhaus, nach Fjodor Dostojewskis romanhaften Schilderungen seiner eigenen Lagerhaft.

Live-Stream
vom 26.05.2018, 19:00 Uhr
BAYERISCHE STAATSOPER TV
Bayerische Staatsoper TV: Aus einem Totenhaus
Demnächst siehst Du hier die Aufnahme des Konzerts (derzeit in Arbeit).
Programm
Erster Akt

Ein Straflager in Sibirien. Ein Tag wie jeder andere bricht an. Zwei Häftlinge geraten aneinander, es kommt zu Beleidigungen und Handgreiflichkeiten. Schnell verbreitet sich eine Neuigkeit: Ein Adliger wird an diesem Tag seine Haft antreten.

Dieser Neue, Alexandr Petrovič Gorjančikov, bekommt gleich bei seiner Ankunft den Sadismus des kommandierenden Platzmajors zu spüren: Als er auf dessen Provokationen entgegnet, er sei kein Landstreicher, sondern ein politischer Gefangener, befiehlt der Platzmajor einhundert Rutenhiebe.

Um einen verletzten Adler, der unter den Häftlingen lebt, entbrennt ein Streit: Wird er im Lager eingehen oder aber genesen und wieder fliegen können? Kann ein Tier sich an die Gefangenschaft gewöhnen, so wie ein Mensch? Der wilde, widerspenstige Vogel lässt die Häftlinge von Freiheit träumen, wenn auch nur für einen Augenblick: Sogleich werden sie von den Wachen zur Arbeit getrieben.

Einer mit dem Namen Skuratov, den alle für einen Narren halten, singt und tanzt und erzählt aus seinem Moskauer Leben. Obwohl seine bruchstückhaften Erinnerungen keinen Sinn ergeben, sorgen sie für Erheiterung. Nur der aggressive Luka ist von Skuratovs Verhalten angewidert. Luka berichtet davon, wie er sich in einem Gefängnis einmal als einziger gegen die Willkür eines Majors gewehrt hat, der sich für allmächtig hielt: Als dieser die Zelle betrat, rammte Luka ihm ein Messer in  den Bauch. Während Luka auf die anschließende Prügelstrafe zu sprechen kommt, die ihn fast umgebracht hätte, wird Gorjančikov von der Auspeitschung zurückgebracht.

 

Zweiter Akt

Einige Monate später. Die Häftlinge arbeiten im Freien. Gorjančikov freundet sich mit dem jungen Tartaren Aljeja an und verspricht, ihn im Lesen und Schreiben zu unterrichten. Die Kirchenglocken läuten einen hohen Feiertag ein, sodass die Häftlinge die Arbeit niederlegen und sich zu einem Festessen versammeln.

Skuratov erzählt, wie ihn die Liebe ins Lager gebracht hat. Als einfacher Soldat hatte er eine gewisse Luisa kennengelernt. Sie sprach mehrmals vom Heiraten, die gemeinsamen Treffen nahmen aber bald ein Ende: Ein älterer, reicher Verwandter hatte die Absicht, Luisa zur Frau zu nehmen – eine Aussicht auf materielles Glück, das sie nicht ausschlagen wollte. Skuratov versuchte, seine Geliebte zu vergessen. Erfolglos. Ungeladen ging er das Brautpaar besuchen und schoss Luisas Bräutigam in den Kopf.

Nach dem Essen spielen die Häftlinge Theater. Zwei komische Stücke voller erotischer Anspielungen werden aufgeführt. Zunächst eine Oper über Kedril, den Diener Don Juans, der seinem Herrn verschiedene Frauen zuführt und ihm das Essen serviert. Als die Teufel Don Juan holen, kann Kedril selbst die Frauen und die Speisen genießen. Dann wird die Pantomime Die schöne Müllerin gegeben, in der eine Frau mehrere Liebhaber zugleich empfängt und sie vor ihrem Mann verstecken muss, der überraschend früh von der Arbeit heimkehrt.

Nach der Aufführung trinken Aljeja und Gorjančikov Tee miteinander. Ungewollt provozieren sie mit ihrem vertrauten Beisammensein den Neid einiger Häftlinge. Diese empören sich, die beiden würden Privilegien genießen, obwohl doch im Lager alle gleich seien. Ein besonders wütender Häftling greift Gorjančikov und Aljeja an und verletzt Aljeja schwer.

 

Dritter Akt

Eine Nacht in der Krankenstation des Lagers. Fiebernd berichtet Aljeja von den Wundertaten Jesu, über die er dank Gorjančikovs Unterricht in der Bibel lesen konnte. Luka ist schwerkrank und liegt im Sterben. Ein alter Gläubiger betet.

Šapkin erinnert sich an den größten Schmerz, der ihm je zugefügt worden sei: Nachdem er bei einem Einbruch festgenommen wurde, hätte ihm ein Polizist während des Verhörs fast die Ohren ausgerissen.

Šiškov vertraut einem anderen an, warum er ins Lager gekommen ist: Ein gewisser Filka Morozov hätte ihm sein Leben durchkreuzt. Dieser Filka hatte den Ruf der Tochter eines Kaufmanns in seinem Dorf zerstört, indem er überall verkündete, er hätte mehrmals mit ihr geschlafen. Da die entehrte Akulina auf keine standesgemäße Ehe mehr hoffen konnte, wurde sie von ihren Eltern verprügelt und dann mit dem mittellosen Šiškov verheiratet. In der Hochzeitsnacht habe sich die Braut als unberührt herausgestellt. Šiškov wollte sich an Filka für die Verleumdung Akulinas rächen, doch dieser brachte ihn zur Besinnung: Wie hätte Šiškov die Jungfräulichkeit der Braut feststellen sollen, so betrunken, wie er bei der Hochzeit war? Als Filka zur Armee einrückte und sich von Akulina verabschiedete, verbarg Akulina ihre Zuneigung für Filka nicht. Šiškov fühlte sich betrogen. Tags darauf fuhr er mit seiner Frau in den Wald und schnitt ihr die Kehle durch.

Während Šiškov von Akulinas brutalem Ende berichtet, stirbt Luka. Šiškov erkennt im toten Luka den Rivalen Filka wieder – ohne voneinander zu wissen, haben sie im Lager Seite an Seite gelebt. Er spuckt dem Leichnam ins Gesicht. Der gläubige Alte segnet den Toten. Die Wache trägt ihn davon. Gorjančikov wird zum Appell gerufen.  

Der Platzmajor bittet Gorjančikov um Vergebung für die grundlose Züchtigung am Tag seiner Einlieferung, doch verbergen sich hinter den scheinbar freundlichen Worten neue Beleidigungen. Widerwillig teilt der Platzmajor Gorjančikov mit, dass er begnadigt wurde und zu entlassen sei. Dem Häftling werden die Ketten abgenommen. Er verabschiedet sich von Aljeja und tritt hinaus in sein neues Leben. Die anderen Häftlinge lassen den Adler frei. Wird er fliegen? Aljeja bleibt zurück. Die Wache treibt die Häftlinge zur Arbeit, so wie an jedem anderen Tag.