Janácek: Die Sache Makropulos

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Wie Anja Silja die Rolle der Emilia Marty, die es durch ein dreihundertjähriges Leben treibt, zu ihrer eigenen Sache gemacht hat, ist sensationell und hat Janáceks Oper noch einmal neu entdeckt. Das London Philharmonic wärmt die moralische Kälte der Handlung auf. Ein Klassiker.

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Die Sache Makropulos
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t1 Konzertführer
Leoš Janáček
Leoš Janáček

Hukvaldy, 3. Juli l854 – Ostrava, 12. August 1928

Wie ein erratischer Block steht sein Schaffen in der Musiklandschaft. Er hatte keine Vorgänger und eigentlich keine Nachfolger. Wenig beachtete Werke im Geist der Spätromantik füllten sein Schaffen, bis er im Alter von fünfzig Jahren in seiner Oper Jenůfa mit einer neuen Tonsprache von explosiver dramatischer Kraft, die der lyrischen Innigkeit einer völlig anders und lange kaum begriffenen Melodik nicht im Wege stand, plötzlich überraschte. Janáček gewann sein Idiom aus der ‚Sprachmelodie‘, die er beim Sammeln von Volksliedern aufgespürt und sich zunutze gemacht hatte, indem er die emotionell persönlichen, sachlich bedingten und örtlich verschiedenen Metamorphosen der Sprache in allen Lebenslagen zum Baustein musikalischer Form und des Ausdrucks machte. Gegen Konvention hatte er schon während seiner Studien in Prag, Leipzig und Wien revoltiert, einengende Familienbande wusste er später schnell abzustreifen. Als Sängerknabe des Augustinerstifts war er aus ärmlichen Verhältnissen in Hukvaldy, einem Bergdorf der Beskiden mit trotziger Burgruine, nach Brünn gekommen, wo er zeitlebens in provinzieller Enge unermüdlich arbeitete und als immerhin geschätzter Pädagoge auf den erhofften Ruhm als Komponist lange warten musste.

Janáček griff Anregungen des kritischen Realismus in der Literatur auf, gegenüber den verschiedenen neuen Phasen der Musikentwicklung, die er miterlebte, zeigte er sich resistent. Besondere Bedeutung für die sehr persönliche Prägung seiner Musik hatten immer innere Beweggründe, so um 1900 der Tod seiner beiden Kinder, von 1917 bis zu seinem Tod dann die enge emotionelle Bindung an die achtunddreißig Jahre jüngere Kamilla Stösslová, deren – ungewollten – Impulsen wir die meisten der in unglaublich schneller Folge entstandenen Meisterwerke zu verdanken haben. Ein unwandelbarer Glaube an den „Funken Gottes in jedem Menschen“ und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur verwandelten Janáčeks Mikrokosmos mit der Hand des Midas zu einem allumfassenden Makrokosmos.

Historisch ist Janáček einer der Klassiker der Moderne mit eigenständiger Wechselwirkung beider Begriffe. Stilistisch blieb er ein Einzelgänger, dessen ästhetisches Credo er selbst so formulierte: „Ich dringe mit der Wahrheit durch. Bis ans Äußerste. Wahrheit schließt Schönheit nicht aus. Im Gegenteil: von beidem immer mehr. Vor allem aber Leben, ständige ewige Jugend!“ Die dauernde Bedeutung Janáčeks und seine wachsende Anziehungskraft gründet sich vor allem auf die Opern Jenůfa, Katja Kabanowa, Das schlaue Füchslein, Die Sache Makropulos und Aus einem Totenhaus. Neben den beiden Streichquartetten, dem Tagebuch eines Verschollenem und weiteren Werken der Kammermusik haben von den für symphonische Konzerte gedachten Kompositionen drei eine den Opern ebenbürtigen Rang. Ihnen widmen wir zunächst unsere Aufmerksamkeit.
Pavel Eckstein

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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