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Frank Martin

Golgotha

Beckert, Nürnberger Symphoniker, Nesyba, 2016
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In diesem Passionsoratorium verarbeitet Frank Martin ausgewählte Bibeltexte, ließ sich darüber hinaus aber auch von anderen Quellen wie Rembrandt-Stichen inspirieren. „Das Oratorium ist zwar dazu bestimmt, in einer Kirche aufgeführt zu werden, aber es ist keine Kirchenmusik. Es soll so etwas wie ein Drama der Passion sein und nicht ein Gottesdienst.“ (Martin) – Ein lohnendes Hörerlebnis, mit überraschenden Klangfarben und einem packenden Ausdruck.

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Frank Martin
Frank Martin

Eaux Vives (Genf), 15. September 1890 – Naarden, 21. November 1974

Frank Martin, als Sohn eines Pfarrers aus alter Hugenottenfamilie geboren, vereinigt in seinem Werk die Einflüsse zweier Kulturen. Obwohl seine Heimatstadt traditionell nach Frankreich orientiert ist, prägte ihn, nicht zuletzt auf Grund des calvinistischen Milieus, die deutsche Musiktradition nachhaltig. Eine Aufführung von Bachs Matthäus-Passion hinterließ im Zehnjährigen bleibenden Eindruck. Auf Wunsch der Eltern studierte Martin Mathematik und Physik, fühlte sich aber stets zum Musiker berufen. Ernest Ansermet, der 1918 erstmals ein Werk von ihm (das Oratorium Les dithyrambes) dirigierte, brachte ihm in der Folge die Musik von Ravel und Debussy nahe. Nach Aufenthalten in Zürich, Rom und Paris arbeitete Martin in den späten zwanziger Jahren in Genf zusammen mit Emile Jaques-Dalcroze an dessen Institut für rhythmische Erziehung und studierte indische und osteuropäische Musik. Neben dem Komponieren unterrichtete er Theorie, Kammermusik und konzertierte als Pianist und Cembalist. 1946 übersiedelte Martin in die Niederlande, 1950 bis 1957 leitete er an der Kölner Musikhochschule eine Kompositionsklasse. Er starb 1974 in Naarden (Niederlande).

Biographie und Werk Martins tragen die Spuren weltbürgerlichen Denkens; einer bestimmten ästhetischen Richtung oder gar nationalen Schule lässt er sich nicht zuordnen. In den zwanziger Jahren neigte er dem französischen ‚Neoklassizismus‘ zu. Ab 1930 beschäftigte er sich mit der Dodekaphonie; eines der ersten Werke, die daraus hervorgingen, ist das von Gieseking uraufgeführte erste Klavierkonzert (1934). Er übernahm diese Technik jedoch in sehr undogmatischer Weise; die ästhetischen Auffassungen des Schönberg-Kreises waren ihm fremd. In der Harmonik sah er stets ein grundlegendes Element für Formbildung und Ausdruck, allerdings nicht im Sinn der klassisch-romantischen Funktionstheorie. Die Fähigkeit zur Assimilation unterschiedlicher stilistischer und kompositionstechnischer Einflüsse verband sich bei Martin mit einer ausgeprägten persönlichen Handschrift. Zu deren Eigenschaften gehören harmonischer Reichtum, melodische Eleganz und ein feines Gespür für klangsinnliche Wirkungen, die indes die Transparenz des oft kammermusikalisch leichten Orchestersatzes nie gefährden.
International bekannt wurde Martin mit seinem auch heute noch viel gespielten Kammeroratorium Le vin herbé (Der Zaubertrank, 1941) nach dem Tristan-Stoff. Er schrieb unter anderem zwei Opern: Der Sturm (1955) nach Shakespeare und Monsieur de Pourceaugnac (1962) nach Molière. Unter den zahlreichen großen Vokalwerken sind hervorzuheben: Das Oratorium In terra pax (1944), das in der Tradition der Passionen Bachs stehende Oratorium Golgatha (1948) und die Sechs Monologe aus Jedermann von Hofmannsthal für Alt/Bariton und Klavier (1943; orchestriert 1949).

Die Liste der Orchesterwerke Martins umfasst über dreißig Werke. Darunter befinden sich eine Symphonie (1937), die Jazzelemente verwendet, zwei Klavierkonzerte (1934 und 1969), je ein Solokonzert für Violine (1951), Cembalo (1952) und Violoncello (1966), ein Konzert für Violine und zwei Streichorchester, betitelt mit Polyptichon – Sechs Bilder aus der Passion Christi (1973) und sechs Balladen, einsätzige kürzere Stücke für diverse Soloinstrumente und Orchester, entstanden zwischen 1938 und 1972. Das Konzert für sieben Blasinstrumente, Schlagzeug und Streichorchester (1949) weitet das konzertante Prinzip virtuos auf eine ganze Gruppe von Instrumenten aus.
Die Solostimmen der Konzerte sind klangvoll-virtuos gehalten; sie verlassen nie den Rahmen der herkömmlichen Spieltechniken und sind oft symphonisch in den Orchestersatz eingearbeitet. Dreisätzigkeit ist die Regel. Die Schlusssätze mit ihren motorischen Rhythmen nähern sich neoklassizistischen Vitalitätsmustern an, was jedoch nie auf Kosten der klanglichen Differenzierung geht. Im Cellokonzert, das besonders farbig instrumentiert ist und in den ersten zwei Sätzen die kantablen Eigenschaften des Soloinstruments schön zur Geltung bringt, erfährt die Motorik des Finales durch dissonante Bläsersätze eine groteske Zuspitzung.

Die Petite symphonie concertante für Harfe, Cembalo, Klavier und zwei Streichorchester (1945), komponiert im Auftrag des Dirigenten Paul Sacher, konfrontiert verschiedene Arten von Saiteninstrumenten miteinander: Die Streicher des Tutti und die Soloinstrumente, bei denen die Saiten gezupft bzw. angeschlagen werden. Das Stück besteht aus zwei Teilen. Der erste (Allegro) folgt dem Concerto-Prinzip mit Orchestertutti und Soli, in denen sich die drei konzertierenden Instrumente wechselseitig begleiten. Im zweiten Teil hat sich der Komponist nach eigenen Worten „dem spontanen musikalischen Bewegungsausdruck hingegeben“. Das erst langsam von der Harfe vorgetragene Thema wird vom Klavier übernommen und entwickelt sich plötzlich zu einem munteren Marschthema. Der Komponist befürchtete erst, dass das Werk wegen der ungewohnten Besetzung nur selten gespielt würde und arbeitete es zu einer Konzertanten Symphonie für großes Orchester um. Entgegen seinen Erwartungen setzte sich aber doch die geistreiche, im besten Sinn unterhaltsame Originalfassung durch.

Max Nyffeler

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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