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Giacomo Puccini

La Bohème

Souza, Orchester der Komischen Oper Berlin, Mchantaf, 2019
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Kosky, für den eigentlich nur das Inszenierte real ist, macht die Bohème zur Postkarten-Fotostrecke. Beim Quartett im dritten Akt muss sein Ensemble aber auf der leeren Bühne agieren - die vier Minuten erzählen schon die ganze Geschichte.

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t1 Konzertführer
Giacomo Puccini
Giacomo Puccini

Lucca, 22. September 1858 – Brüssel, 29. September 1924

Giacomo Puccini, fraglos der letzte italienische Opernkomponist von Weltgeltung, hat neben seinen zwölf Bühnenwerken auch einige Orchesterkompositionen hinterlassen, die alle verhältnismäßig früh entstanden sind, aber erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Das Preludio sinfonico, komponiert 1876 in Lucca, tendiert ungeachtet seiner rein instrumentalen Konzeption bereits unverkennbar zum Theatralischen: in den weitgeschwungenen, emphatischen Streicherkantilenen, die nicht selten in Oktavparallelen aufscheinen, zeigt sich ebenso wie in den effektvollen Steigerungen und überraschenden dynamischen Kontrastierungen der künftige Opernkomponist.

Im Juli 1883 beendete Puccini seine Studien am Mailänder Konservatorium mit dem Capriccio sinfonico. Jener unverwechselbare Tonfall, der in fast allen seinen Opern wahrzunehmen ist, seine ‚vena malinconica‘, begegnet bereits in diesem Werk: Deszendenzmelos, sanft dissonierende Vierklänge und eine füllige, auf Verschmelzung abzielende Instrumentation sind die wesentlichen Charakteristika dieses Stils. Darüber hinaus zeigt sich, dass die seit Jahrhunderten geübte kompositorische Praxis, musikalisches Material in verschiedenen Kontexten zu verwenden, bei Puccini noch lebendig ist: So wird der Hauptgedanke der langsamen Einleitung später die musikalische Substanz für das Requiem im dritten Akt des Edgar (1889) abgeben, während der Anfang des Mittelteils mit dem Beginn von La Bohème (1896) identisch ist. Der Schlussteil stellt eine erweiterte Reprise der Introduktion unter Einbeziehung einiger Reminiszenzen der Mittelpartie dar. Übrigens zielt der Terminus ‚sinfonico‘, wie er im Italien des späten 19. Jahrhunderts verwendet wurde, lediglich auf eine rein orchestrale Komposition mit größerer Besetzung ab, nicht jedoch auf jene durch die Wiener Klassik entwickelte Durchführungs- und Verarbeitungstechnik, die in Deutschland und Österreich für die verschiedenen Gattungen der Instrumentalmusik obligatorisch wurde.

Auf der Grenze zwischen Streichquartett und Streichorchester stehen jene drei Menuette (alle in A-dur), die zwar erst 1892 publiziert wurden, mit Sicherheit aber zu Puccinis Frühwerken zählen. Sind aus ihnen nur einige wenige Phrasen in die Manon Lescaut (1892) eingeflossen, so finden sich die Crisantemi, ein einsätziges Werk, entstanden 1892 anlässlich des Todes von Herzog Amedeo di Aosta, fast vollständig in der genannten Oper wieder, und zwar in derselben Tonart fis-moll. Ein verbindungstiftendes Moment zwischen diesen beiden Werken liegt im semantischen Bezug: Es handelt sich hierbei um ein Lamento, um einen Klagegesang über den in dem einen Fall tatsächlichen, in dem anderen Fall drohenden Verlust eines geliebten Menschen.
Norbert Christen

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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