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George Enescu

Rumänische Rhapsodie A-Dur op. 11 Nr. 1

Celibidache, George Enescu Philharmonic Orchestra, 1978
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Dieses historische Video macht gute Laune! Mit tanzenden Augenbrauen, geschwungener Hüfte und jeder Menge rumänischem Spirit: Maestro Celibidache lebt die Musik seines Landsmanns hör- und sichtbar - und hat mächtig Spaß dabei.

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George Enescu
George Enescu

Liveni, 19. August 1881 – Paris, 5. Mai 1955

Die Gestalt George Enescus und ihr Wirken als Komponist, Violinvirtuose, Pädagoge und Organisator markiert den Beginn und eine erste glanzvolle Entwicklungszeit des nationalen Musiklebens in Rumänien. Am 19. August 1881, wenige Monate nach der Proklamation des Königreiches Rumänien als Nationalstaat geboren, gehörte er der Generation Schönbergs, Bartóks, Strawinskys, Ravels und de Fallas an. Schon als Fünfjähriger fiel er durch ungewöhnliche musikalische Begabung auf, und es bedurfte nur zweier Ausbildungsjahre, um ihn auf das Wiener Konservatorium schicken zu können. Dort nahm sich besonders Joseph Hellmesberger seiner an; schon mit dreizehn Jahren examinierte er mit Auszeichnung. Im gleichen Jahr begegnete er Johannes Brahms, erlebte Aufführungen von dessen Werken (zum Teil als Mitwirkender) in Anwesenheit des Komponisten. Dieser Kontakt war ausschlaggebend für die gleichermaßen hervorragende Brahms-Interpretation des Geigers wie des Dirigenten Enescu in späteren Jahren. Noch nicht zufrieden mit dem erreichten Niveau, siedelte der Vierundzwanzigjährige 1895 nach Paris über, um seine Violinstudien bei Marsick zu vervollkommnen und bei Massenet und Fauré Komposition zu studieren. Nach Abschluss der Studienzeit (1899) entfaltete er zunächst eine ausgedehnte Tätigkeit als reisender Geigenvirtuose und Kammermusiker (seit 1904 auch Primarius eines eigenen Streichquartetts). Reproduktive künstlerische Aktivitäten betrachtete Enescu indessen – ähnlich Sergej Rachmaninow – beinahe als ‚notwendiges Übel‘ zur Finanzierung seines Lebensunterhalts, das ihn die so dringend benötigte Zeit zum Komponieren teilweise kostete.

Musikalisch wie biographisch verlief das Dasein Enescus in Spannungsfeldern, deren Zentren der Interpret und der Komponist einerseits, Paris und die rumänische Heimat andererseits waren. Die Wahrung der Loyalität beiden Kulturen gegenüber komplizierten seine schöpferische Entwicklung – ähnlich wie die Busonis – in nicht unerheblichem Maße. Einflüsse der Volksmusik seines Geburtslandes, also einer nationalen Musikkultur, und eher kosmopolitische Tendenzen stehen anfangs unverbunden nebeneinander. Zu keiner Zeit jedoch war Enescu in Gefahr, ein Epigone des Impressionismus oder der modernen französischen Schule zu werden; der an Brahms und der deutschen Romantik geschulte Sinn für klassische Architektonik wies ihn in eine andere Richtung. Ähnlich wie im Fall von de Falla und Martinū war auch für den Rumänen die Pariser Atmosphäre das geeignete Umfeld, das seinem eigentlichen Personalstil zum Durchbruch verhalf.

Die ersten Kompositionen, die Enescu selbst ernstnahm, stammen aus den ersten Pariser Studienjahren, darunter vier Schulsymphonien und zwei Ouvertüren (als „tragische“ und „triumphale“ bezeichnet, eine deutliche Verbeugung vor Brahms). Noch vor Abschluss der Studien brachte er sein Opus 1, die symphonische Orchestersuite Poème roumain, heraus. Dieses Werk sowie besonders die 1901 folgenden beiden Rhapsodies roumaine (A- und D-dur) op. 11 machten Enescu schlagartig bekannt. Die doina, ein aus Siebenbürgen stammendes, schwermütiges Volkslied hat mit seiner freien Tempogestaltung und reichen ornamentalen Einschüben in die Melodielinie jenes für Enescus Musik charakteristische ‚Parlando-Rubato‘ angeregt. Noch deutlicher wird die Übertragung folkloristischer Besonderheiten auf die Orchestermusik in der 1903 entstandenen, Camille Saint-Saёns gewidmeten Suite C-dur op. 9, deren erster Satz mit seinem konsequenten Unisono eine Art ‚Monodiestudie‘ darstellt. Doch ist dies nur die eine Seite von Enescus Stil in jenen Jahren; ganz kosmopolitisch und der deutschen Spätromantik verpflichtet gibt sich die erste Symphonie Es-dur op. 13 aus dem Jahre 1905. Die zehn Jahre später vollendete zweite Suite op. 20 steht in ihrer komplizierten Chromatik und der Dichte der orchestralen Polyphonie eher Reger nahe. Seine Bewunderung für Johann Sebastian Bach ließ Enescu offenbar zeitweise solche stilistischen Tendenzen verfolgen, bis schließlich in der dritten Symphonie (C-dur, 1918) die Synthese aus ‚nationalen‘ und ‚kosmopolitischen‘ Elementen gelang. Im Aufwand des geforderten Apparats – zum großen Orchester treten Klavier, Celesta, Harmonium und Chor – bildet dieses Opus 21 ein rumänisches Gegenstück zu Werken wie der dritten Symphonie von Karol Szymanowski und dem Prométhée von Alexander Skrjabin.

In den zwanziger und dreißiger Jahren nahmen Kammermusikwerke sowie die sich über siebzehn Jahre hinziehende Arbeit an der lyrischen Tragödie Oedipe op. 23 die schöpferische Energie des Komponisten voll in Anspruch. Solistische, pädagogische und organisatorische Aktivitäten im Dienste des Musiklebens seiner Heimat ließen darüber hinaus die Inangriffnahme größerer Orchesterwerke in jenen Jahren nicht zu. Erst mit einer dritten Suite (villageoise, D-dur) op. 27, vollendet 1938, wandte sich Enescu wieder jener Gattung zu, die am Beginn seiner Karriere als Komponist gestanden hatte. Sein Stil hatte freilich mit jenen folkloristischen Anfängen kaum mehr etwas zu tun; in der 1948 als Opus 32 erschienenen Ouverture sur des thèmes dans le caractère populaire roumain (A-dur) haben die Elemente der Volksmusik in Bezug auf Harmonik, Rhythmik und Instrumentation schließlich einen Grad der Abstraktion erreicht, der mit den reifen Werken Béla Bartóks durchaus auf einer Stufe steht. Mit dem Ungarn teilte der gealterte, kranke Enescu das Schicksal, am 5. Mai 1955 im Exil zu sterben, als das er Paris nach dem Verlust der Heimat 1947 nun empfinden musste.
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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