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Symphonie D-dur KV 385 (Haffner)

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t1 Konzertführer
Wolfgang Amadeus Mozart
Symphonie D-dur KV 385 (Haffner)

Vier Tage nach der Uraufführung seines Singspiels Die Entführung aus dem Serail, die am 16. Juli 1782 in Anwesenheit Kaiser Josephs II. stattfand und vom Wiener Publikum begeistert aufgenommen wurde, nahm der sechsundzwanzigjährige Mozart auf Bitten seines Vaters den Auftrag an, für die Salzburger Familie Haffner eine neue Serenade zu schreiben: Mozart hatte bereits sechs Jahre zuvor für die Hochzeit der Tochter des Salzburger Bürgermeisters das später als Haffner-Serenade bekannt gewordene Stück (KV 250) komponiert. Den Anlass für die neuerliche Bestellung einer Festmusik bildete die Adelung des Sohnes von Sigmund Haffner.

Der Auftrag kam Mozart äußerst ungelegen. Er war gerade dabei, seine neue Oper für ‚Harmoniemusik‘ (ein gemischtes Bläserensemble) zu bearbeiten, was ihm viel Mühe bereitete, zudem befand er sich auch mitten in den Vorbereitungen zu seiner Hochzeit mit Constanze Weber, die er gegen den Willen seines Vaters zu ehelichen trachtete. Am 27. Juli hatte Mozart erst einen Satz der Serenade fertiggestellt: „Sie werden Augen machen“, schrieb er an seinen Vater, „daß sie nur das 1. Allegro sehen: allein – es war nicht anders möglich, ich habe geschwind eine Nachtmusique machen müssen, aber nur auf Harmonie [ Bläserserenade e-mail KV 388; A. C.], sonst hätte ich sie für Sie auch brauchen können. Mittwoch den 31ten schicke ich die zwei Menuett, das Andante und letzte Stück; kann ich, so schicke ich auch einen Marsch – wo nicht, so müssen Sie halt den von der Haffnermusique (die sehr unbekannt ist) machen. Ich habe sie ex D gemacht, weil es Ihnen lieber ist.“ Doch erst am 7. August, nachdem er Constanze inzwischen doch zur Frau genommen hatte, schickte Mozart die restlichen Sätze nach Salzburg mit der Anmerkung, dass „das erste Allegro recht feurig gehen (muss), das letzte so geschwind als es möglich ist“. Die Serenade umfasste jetzt neben einem einleitenden Marsch zwei Allegro-Ecksätze, ein Andante und die obligatorischen zwei Menuette.

Ein halbes Jahr später ließ sich Mozart die Noten der Serenade nach Wien zurückschicken, um sie als Symphonie in einer seiner Akademien zu präsentieren. Voller Erstaunen über seine eigenen Fähigkeiten bestätigte er dem Vater den Empfang: „Die neue Haffner-Sinfonie hat mich ganz surpreniert, denn ich wusste kein Wort mehr davon; die muss gewiss guten Effect machen.“ Bei der Verwandlung der Serenade in eine Symphonie ging Mozart ökonomisch vor: Er verzichtete auf den Marsch und eines der Menuette und erhöhte das Gewicht der Ecksätze durch Hinzunahme von Flöten und Klarinetten. Am 23. März 1783 erklang dann zum ersten Mal die Haffner-Symphonie in der uns bekannten Form. Und ihr weiteres Schicksal hat Mozart recht gegeben. Sie gilt heute als erste seiner letzten sechs ‚Meistersymphonien‘. In ihrer majestätischen Würde, in Klarheit, Optimismus und strahlender Festlichkeit ist sie einzigartig unter Mozarts späten Symphonien.

Also doch nur eine symphonische Serenade? Ihre Brillanz, ihre Nervigkeit, ihre Heiterkeit und strukturelle Dichte aber rücken sie deutlich in die Nähe Haydns, den Mozart ja sehr verehrte. Das sonst bei Mozart vorherrschende dramatisch-theaterhafte Element, das sich in Gestenreichtum, ständigem Affektwechsel und mannigfaltigen harmonischen Trübungen zu äußern pflegt, fehlt dieser festlichen Musik fast ganz. Dem Anlass gemäß hat Mozart Erhabenheit mit Freude verknüpft und führt in den verschiedenen Sätzen unterschiedliche Arten von Freude vor: Erhabene Freude im Kopfsatz, volkstümlich-besinnliche Freude in den Mittelsätzen und männlich-triumphierende Ausgelassenheit im Finale, dessen Hauptgedanke uns die Gestalt Osmins aus der Entführung in Erinnerung ruft.
Attila Csampai

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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