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Klavierkonzert A-dur KV 488

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t1 Konzertführer
Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert A-dur KV 488

Das Klavierkonzert in A-dur KV 488 vollendet Mozart am 2.März 1786, zu einer Zeit, als er an die Partitur seines zweiten großen Wiener Opernprojekts, Le Nozze di Figaro, letzte Hand anlegt. Das A-dur-Konzert zählt zu den ausgereiftesten, ‚klassischsten‘ Werken der Wiener Serie und erfüllt exemplarisch den von Mozart formulierten Anspruch, „Kenner“ wie „Liebhaber“ gleichermaßen zufriedenzustellen. Der Kopfsatz ist sowohl strukturell als auch gestisch-emotional so ausbalanciert und ausgehört, zugleich so evident und haltungssicher, daß er Modellcharakter gewinnt:

„Niemals sonst hat er einen Satz geschrieben von solcher Einfachheit der Struktur, von solcher ‚Normalität‘ in der thematischen Relation von Tutti und Solo; von solcher Klarheit der thematischen Erfindung“, notiert dazu Alfred Einstein, und man kann ihm nur beipflichten. Zugleich verwirklicht der Kopfsatz aber auch den spezifischen Charakter seiner Grundtonart A-dur: Alle Empfindungstiefe, Wärme und Leuchtkraft dieser Tonart des Herzens ist hier in kammermusikalischer Dichte und Noblesse eingefangen.
Noch inniger, tiefgründiger ist der langsame Mittelsatz des Konzerts. Wie sein unmittelbarer Vorgänger, das Andante im Es-dur-Klavierkonzert KV 482, steht auch dieser wiederum in Moll, und zwar in der von Mozart selten benutzten Tonart fis-moll. Und trotz seiner geringen äußeren Ausmaße von 99 Takten verfügt dieser Satz über so enorme Kräfte der emotionalen Vereinnahmung, dass er innerhalb des Konzerts mehr bewirkt als nur die vorübergehende Trübung des heiteren A-dur-Grundcharakters. Kraft seiner starken melodisch-sanglichen Substanz, die Klavier und Orchester abwechselnd über einem friedlich wiegenden Siciliano-Rhythmus verströmen, schafft er innerhalb des Konzerts eine eigene musikalisch-geistige Realität. Dieses Adagio gleicht bis in seine Einzelheiten – so die Riesensprünge bei der Wiederholung des Klavierthemas – einer wirklichen Opernarie, einem schmerzlich-süßen menschlichen Wiegengesang, und die enge Verwandtschaft zwischen Klavierkonzert und Oper bei Mozart wird wieder einmal deutlich.

Dass in Mozarts Musik von etwa 1785 an traurige Gedanken und schmerzliche Wendungen sowie auch komplette Moll-Sätze häufiger werden, hat fraglos mit seiner persönlichen Situation, den vielen Rückschlägen der letzten Lebensjahre zu tun; andererseits bezeugen diese zumeist überraschenden Haltungswechsel der Musik auch Mozarts Abkehr von der ästhetischen Tradition des einheitlichen Affekts und das Eindringen von noch mehr Realität und Wahrhaftigkeit in seine Dur-Kompositionen, die von nun an in jeder Tonart das ganze Spektrum menschlicher Empfindungen wiederzugeben vermögen.
Attila Csampai

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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