Klavierkonzert c-Moll KV 491

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t1 Konzertführer
Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert c-Moll KV 491

In diesem Sinne ist auch das nächste Klavierkonzert in c-moll KV 491, das nur drei Wochen später entsteht, ein besonders markantes, ja drastisches Zeugnis von Mozarts Empfindungstiefe und seiner inzwischen erworbenen inneren Freiheit, selbst die tiefsten Abgründe des Seelischen in seinen Klavierkonzerten auszuleuchten. Das c-moll-Konzert kennt in seinem düsteren Pathos in Mozarts Werk keine Parallele. Es verfügt zudem über den größten Orchesterapparat aller Klavierkonzerte – nämlich über Klarinetten und Oboen, über Hörner und Trompeten, dazu Fagotte und Flöte – und trägt dieser gewichtigen Ausstattung durch seine betont symphonische Faktur maßgeblich Rechnung. Anstatt der sonst üblichen vielen kurzen Gedanken dominiert hier im ersten Orchestertutti nur ein einziges heroisch-pathetisches, unterschwellig drohendes, tragisch-fatalistisches Thema, das sogleich mehrfach symphonisch verarbeitet wird und das gesamte 99 Takte lange erste Orchesterritornell motivisch speist. Das Klavier setzt dieser drohenden Geste zunächst nur ein recht schwaches, sanft klagendes Motiv entgegen; nur wenig später wird es aber selbst eingesponnen in den gewaltigen symphonischen Sog des Orchesters und unternimmt mit ihm eine wundersame, schmerzlich-schöne Reise durch die dunklen Seelenregionen und die magischen Randbezirke der heroischen Grundtonart c-moll, um dann, nach mehr als 500 Takten, am Ende sich allmählich zu entfernen und in einer Grauzone zu verlieren.

Die Stunde des Klaviers schlägt erst im zweiten Satz: In diesem abgeklärten Es-dur-Larghetto von schlichter, ruhiger Schönheit kündigt sich der ganz späte, transzendierende Mozart der Zauberflöte an. Im Schlusssatz, der an Erhabenheit seinesgleichen sucht, dominiert stolze Trauer. Das sechzehntaktige Variationsthema verbindet in seinen beiden achttaktigen Hälften auf engstem Raum unterschiedliche Gefühlsregungen: nämlich alle zwei Takte abwechselnd Trauer – Schmerz – Sehnsucht und Erlösung. Jedoch ist dieser Empfindungsreichtum wieder in eine strenge Form, eine periodische, liedartige Gestalt eingebunden, es bleibt alles innerlich, intim, diskret, geschützt. Am Ende mündet der Satz zwar in eine recht ausgelassene 3/4-Stretta, behält aber auch da die Moll-Tonart bei: So entsteht auch hier wieder jene typische Hell-Dunkel-Irritation, jene heitere Trauer oder bedrückte Heiterkeit, die das gesamte Spätwerk Mozarts kennzeichnet.
Attila Csampai

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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