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Der Bürger als Edelmann op. 60 und Tanzsuite nach Couperin

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t1 Konzertführer
Richard Strauss
Der Bürger als Edelmann op. 60 und Tanzsuite nach Couperin

Während Richard Strauss, der Meister der Programmmusik, für seine symphonischen Dichtungen außermusikalische Anregungen und Vorlagen aufnahm und verarbeitete, stellen die Orchestersuiten Der Bürger als Edelmann op. 60 (1918) und die Tanzsuite nach Couperin (1923) gewissermaßen innermusikalisch motivierte Werke dar, die jedoch nicht minder dem Bereich programmatischer Musik zuzurechnen sind. In beiden Fällen stammt der in diesem Fall nicht literarische, sondern musikalische Stoff, der den Anlass zur Komposition bietet, aus dem späten 17. bzw. frühen 18. Jahrhundert: Für den Bürger als Edelmann ist es die Musik Lullys, für die Couperin-Suite eine Anzahl aus den Pièces de clavecin von François Couperin. Strauss benutzt diese höfische Unterhaltungsmusik als Rohstoff, als nacktes Material, das er mit seinen kompositorischen und instrumentalen Mitteln einkleidet, sodass hier von wirklicher Bearbeitung gesprochen werden kann, die mehr ist als musikalische Kolorierung eines vorgegebenen Objekts. Strauss illustriert die alte Musik mit Techniken des 20. Jahrhunderts.

Die Suite Der Bürger als Edelmann ist das Überbleibsel des ersten Teils aus der ursprünglichen Fassung der Ariadne auf Naxos. Strauss hatte zu der Hofmannsthalschen Bearbeitung des Molière-Stücks mehrere Nummern einer Schauspielmusik geschrieben und diese nach der Trennung von Schauspiel und Oper noch erweitert. Neun dieser Stücke fasste er 1918 außerdem in einer Orchestersuite zusammen, die den Hintergrund der Schauspielhandlung in den einzelnen Überschriften noch erkennen Jassen. Die Ouvertüre zeigt die Gestelztheit des Bürgers Jourdain, der um vornehmes, adliges Benehmen bemüht ist. Im Menuett und beim ‚Fechtmeister‘ konkretisieren sich diese Bemühungen, im ‚Tanz der Schneider‘, einer Polonaise, dem ‚Menuett des Lully‘ und der folgenden Courante arbeitet Strauss mit den Mustern der zugrundeliegenden Tänze und Bestandteilen Lullyscher Kompositionen, wie auch im ‚Auftritt des Cleonte‘. Im Intermezzo und abschließenden Finale, dem ‚Diner‘, lässt Strauss den Musikantenhumor eines Spätgeborenen spielen, er zitiert aus dem Rheingold, einer italienischen Elegie und die Tonmalereimuster des 17. und 18. Jahrhunderts. Wie in den acht Tänzen der Couperin-Suite (Einzug und feierlicher Reigen, Courante, Carillon, Sarabande, Gavotte, Wirbeltanz, Allemande und Marsch) will Strauss kein Pasticcio aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert abliefern, es geht ihm auch nicht um eine Auferstehung der Musik von Lully oder Couperin durch einen Komponisten des 20. Jahrhunderts, sondern er setzt die Vorlagen um, transformiert sie wie eine außermusikalische Quelle in seine Musiksprache.
lrmelin Bürgers

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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