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Aus Italien. Symphonische Phantasie op.16

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t1 Konzertführer
Richard Strauss
Aus Italien. Symphonische Phantasie op.16

Der Ästhetik der Neudeutschen Schule näherte sich Strauss nicht abrupt, sondern auf einer Art ‚Umweg‘ über das Genre der sogenannten ‚malenden‘ Instrumentalmusik. Die während seines ersten Italien-Aufenthalts entworfene Phantasie op. 16 wahrt äußerlich die Viersätzigkeit, kehrt lediglich die Positionen der beiden ersten Sätze des großformalen Baus um; im Inneren dieser Sätze aber geschieht etwas mit der Symphonie nicht mehr Vereinbares, was Strauss selbst bereits in den Überschriften andeutet: Die Eindrücke und Erlebnisse des Aufenthalts im Süden werden regelrecht musikalisch ‚abgemalt‘. Die Fähigkeit, Landschaften, Stimmungen und Vorgänge auf sehr prägnante, geradezu handgreiflich-illustrative Weise in Musik umsetzen zu können, sollte ein Charakteristikum aller Straussschen Musik bleiben. In den einzelnen Sätzen scheinen bereits viele typische Details des Reifestils auf: ‚In der Campagna‘ (Andante) enthält ein den Zarathustra antizipierendes Trompetenmotiv, ‚In Roms Ruinen‘ (Allegro molto con brio) basiert auf einem Hauptgedanken, der auf die ‚Heldenthemen‘ der späteren Werke verweist. ‚Am Strande von Sorrent‘ (Andantino) zeigt bereits den Klangzauberer Strauss, und ‚Neapolitanisches Volksleben‘ (Allegro molto) mit der Verarbeitung des Gassenhauers ‚Funiculi-Funicula‘ nimmt mit seiner Darstellung geschäftigen Durcheinanders Züge des Till Eulenspiegel vorweg. Die deskriptive Art dieser Musik wurde von den Kritikern der Münchner Uraufführung (2. März 1887) sogleich erkannt und – gerügt. Strauss verwahrte sich dagegen, einen „musikalischen Baedecker Süditaliens“ geliefert zu haben, nannte den „poetischen Gehalt“ das Wesentliche; von diesem Credo ist er zwar zeitlebens nie abgewichen, andererseits wirft die spätere Äußerung, er könne auch „eine Speisekarte komponieren“, ein deutliches Licht auf seine ästhetische Position. Wichtig ist auch die schon hier postulierte Distanz zu Liszt: Mit ‚Poesie‘ als Gehalt meint Strauss – im Gegensatz zu Liszt – nicht Literatur. Ebenso wenig ist Aus Italien Berlioz verpflichtet, der in seinen Instrumentalwerken stets symphonische Struktur im Sinne Beethovens anstrebte, die auch aus sich selbst heraus sinnvoll und verständlich sein musste.
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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