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Symphonie in vier Bildern Manfred op. 58

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t1 Konzertführer
Pjotr Tschaikowsky
Symphonie in vier Bildern Manfred op. 58

Mili Balakirew trat 1885 mit einem ausführlichen, auf Byrons dramatischem Gedicht basierenden Programm an den Komponisten heran. Vorbild für diese Konzeption war Berlioz' Harold in Italien. Tschaikowsky hielt sich diesmal nur an die Umrisse des vorgeschlagenen Sujets, teilte selbst nur mottoartige Überschriften der Sätze mit und enthielt sich – wie schon in der Francesca – aller folkloristischer Tendenzen. Der dreiteilige Kopfsatz (Lento lugubre) ist überschrieben: „Manfred irrt in den Alpen umher. Gefoltert von unheilvollen Qualen des Zweifels, zerrissen von Reue und Verzweiflung, ist seine Seele Opfer namenloser Leiden.“ Durchführungsarbeit ist hier durch das harte Gegeneinandersetzen von Kontrastblöcken ersetzt. Das Scherzo (Vivace con spirito), duftig wie eine Ballettmusik, schildert einen „sprühenden Wasserfall“, unter dessen Regenbogen die Alpenfee vor Manfred erscheint (in der ruhigen, harfebegleiteten Melodie des Trios); der Satz ist ein Meisterwerk farbig oszillierenden Klangs. Das folgende Andante con moto („Pastorale: Schlichtes, freies und friedliches Leben der Bergbewohner“) steht Berlioz am nächsten, während das furiose Finale (Allegro con fuoco), die Schilderung eines Bacchanals im „unterirdischen Palast des Ariman“, ein Gegenstück zu Berlioz' Orgie de Brigands darstellt. Die instrumentalen Mittel (dreifache Holzbläser mit Piccoloflöte, Englischhorn und Bassklarinette, vierfache Blechbläser, zwei Harfen und umfangreiches Schlagzeug sowie Harmonium) sind vielfältiger als in jedem anderen Werk Tschaikowskys. Leider zerstört eine aufgesetzt wirkende Orgel-Apotheose ‚à la Liszt‘ einen guten Teil der Wirkung des Finales (und damit des ganzen symphonischen Organismus).

Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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