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Klavierkonzert Nr. 2 G-dur op. 44 und Nr. 3 Es-dur op. 75

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t1 Konzertführer
Pjotr Tschaikowsky
Klavierkonzert Nr. 2 G-dur op. 44 und Nr. 3 Es-dur op. 75

Die große Popularität des b-moll- Konzerts hat die beiden anderen Klavierkonzerte Tschaikowskys weitgehend in den Hintergrund gedrängt. Nur selten sind sie im Konzertsaal zu hören; was insofern nicht recht verständlich erscheint, als zumal das zweite Konzert für Klavier und Orchester G-dur op. 44 – in den Jahren 1879 und 1880 entstanden – durchaus „Effect macht“.

Der Kopfsatz ist weiträumig dimensioniert und von ungewöhnlicher Länge, gekennzeichnet durch einen kraftvollen und munteren Ton des Hauptthemas, dem ein kantabler Seitensatz gegenübersteht, sowie durch die Farbenpracht des Orchesters. Der Klavierpart, wiewohl nicht ausgesprochen virtuos, bietet dem Solisten reiche Gelegenheit zu brillieren – zumal in der 130 Takte umfassenden Kadenz am Ende der Durchführung, die in ihrer scharf umrissenen rhythmischen Prägnanz und dem mitreißenden Schwung ihrer Akkordketten fast schon an Gershwins Konzert gemahnt.

Wenn dennoch Nikolaj Rubinstein, dem das Werk auch gewidmet ist, bemängelte, „dass die Solostimme episodisch und meist in Dialog mit dem Orchester ist und zu wenig im Vordergrund über der Begleitung des Orchesters“, so bezog er sich dabei wohl vor allem auf den zweiten Satz. In diesem lyrisch dahinfließenden Andante non troppo hat das Klavier nur begleitende Funktion, fügt sich mit arpeggierenden Akkorden als zusätzliche Klangfarbe ins Orchester ein, ohne ein ausgeprägtes Eigenleben zu entfalten. Getragen wird der Satz hingegen von langen, weit ausholenden Zwiegesprächen der Violine und des Violoncellos. Zum im fünffachen Piano verklingenden Mittelsatz steht das abschließende Allegro con fuoco in scharfem Kontrast. Frisch zupackend, vom synkopisch drängenden Hauptthema und dem tänzerischen Seitensatz angetrieben, strebt es ohne lange zu verweilen dem Ende zu und bildet einen mitreißenden Abschluss für dieses große Konzert. Das dritte Klavierkonzert Es-dur op. 75 entstand 1893 aus Skizzen zu einer Symphonie, die Tschaikowsky dann nicht mehr weiterverfolgte. Nur der erste Satz wurde von ihm vollendet, die beiden restlichen gab Sergej Tanejew überarbeitet und orchestriert als ‚Andante und Finale‘ postum heraus. Vermutlich war das Werk jedoch nur einsätzig konzipiert.
Die symphonische Anlage scheint auch in der Fassung des Klavierkonzerts noch durch, eher ist das Werk eine Symphonie mit obligatem Klavier. Beeindruckend ist der volle und warme Klang des Orchesters und des Klaviers, in dessen großer Kadenz mit der Vielfalt ihrer Charaktere und der Tiefe des Ausdrucks Tschaikowskys künstlerische Grundveranlagung noch einmal voll zum Erklingen kommt.
Rainer Pöllmann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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