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Symphonie Nr. 9 d-moll op.125

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t1 Konzertführer
Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 9 d-moll op.125

Eine Chorsymphonie hatte Beethoven lange und zögernd erwogen, doch war er sich bei der Skizzierung der drei ersten Sätze der Neunten (1817 bis 1823) noch nicht schlüssig, ob er das instrumentale Prinzip der Symphonik bereits hier durchbrechen sollte; er arbeitete an einem instrumentalen Schlusssatz, dessen Thema später in das Streichquartett op. 132 eingegangen ist, ehe er sich unvermittelt entschloss, die lange geplante Vertonung von Schillers Freudenhymne zum Finale der Neunten zu erheben. Über diesen Einbruch des Vokalen in die Symphonie ist viel gerätselt und auch gezetert worden; Wagner sah darin die Bankrotterklärung der rein instrumentalen Symphonik und die energische Wendung auf ein Grundproblem des 19. Jahrhunderts, auf die Verbindung von Wort und Ton. Beethoven hat das Chorfinale kompositionstechnisch dergestalt abgesichert, dass Soloquartett und gemischter Chor als steigerndes Element erst hinzutreten, wenn das Geschehen nach absolut musikalischen Regeln längst im Gange ist, das heißt, wenn die von den Streichern eingeführte Freudenmelodie bereits eine Reihe von Variationen durchlaufen hat und nun vom Chor als einer zusätzlichen Gruppe aufgegriffen wird. Als Mischform aus Variation und Rondo stellt sich der Schlusssatz dar, wobei Einschübe, wie das auf Holzbläser- und Schlagzeugklang gestellte, marschartige Tenorsolo den Ablauf auflockern.

Der erste Satz (Allegro ma non troppo, un poco maestoso, d-moll) bleibt mit seinen 547 Takten nur wenig hinter dem riesigen Kopfsatz der Eroica zurück. Eine ausgedehnte dominantische ‚Einleitung‘ verdeutlicht die Dimensionen: Über der leeren Quinte stecken fallende Intervalle den Tonraum ab und bereiten das Hauptmotiv vor, das Thema aus dem gebrochenen Dreiklang erwächst und mit dem ersten Fortissimo-Einsatz über der nach siebzehn Takten endlich erreichten Tonika hereinbricht. Verzahnung geht Hand in Hand mit Weiträumigkeit des Aufbaus; die Durchführung, der Fortissimo-Einsatz der Reprise und die Verlagerung einer zweiten Durchführung in die Coda machen dies deutlich. Das Scherzo (Molto vivace, d-moll) steht erstmals in einer Beethoven-Symphonie an zweiter Stelle. Das unwirsche Hauptthema entwickelt sich aus dem eintaktigen Kernmotiv: Oktavsprung abwärts bei punktiertem Rhythmus. Über der Basis c erscheint ein weiteres Thema. Ein ausgedehnter Durchführungsteil schiebt sich vor die Reprise. Das Trio (Presto, D-dur) wiederholt monomanisch eine viertaktige, von den Holzbläsern eingeführte Figur, auf die sich wohl Beethovens Notiz ‚Feier des Bacchus‘ bezieht. Der vorwärtsdrängenden Tendenz des Hauptteils steht, ähnlich wie im Scherzo der Siebenten, eine statische Klangwelt gegenüber, denn statisch wirkt dieses Trio trotz seines vorangetriebenen Tempos.

Der langsame Satz (Adagio molto e cantabile, B-dur) ist eine Variationenkette mit zwei Themen. Das 21 Takte umfassende erste Thema in B-dur wird durch echoartige Einwürfe der Holzbläser verlängert. In D-dur setzt Andante moderato ein zweites Thema ein, worauf die beiden Gruppen abwechselnd variiert werden. Die Variationen sind durchaus figurativer Art, jedoch von jener differenzierten Vielfalt, wie sie Variationssätze des späten Beethoven auszeichnen. Orchesterrezitative und rekapitulierende Themenzitate aus den vorausgegangenen Sätzen leiten das Finale ein. In den Streichern beginnt die Freudenmelodie als Basis des überhöhenden Schlussteils. Schillers Gedicht An die Freude (1785) feiert ein anzustrebendes und der Verwirklichung fähiges Hoffnungsziel der Brüderlichkeit aller Menschen. Die Verse spiegeln die Erwartungen, die man in die Französische Revolution gesetzt hatte.

Die Neunte blieb Beethovens letztes symphonisches Werk, uraufgeführt 1824 in Wien. Seither gilt die Neunzahl der Symphonien als schicksalhaft.
Karl Schumann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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