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Leonore I-III, Fidelio

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t1 Konzertführer
Ludwig van Beethoven
Leonore I-III, Fidelio

Die Chronologie der drei Leonoren-Ouvertüren ist insofern unklar, als nicht feststeht, wann Leonore I komponiert wurde. Neuere Forschungen haben ergeben, dass Beethoven sie vermutlich 1807/08 für eine in Prag geplante Aufführung der Oper schrieb; ihrer einfacheren Faktur nach könnte sie jedoch sehr wohl früher entstanden sein. Bei der ersten Aufführung der Oper jedenfalls, 1805 in Wien, erklang Leonore II, die formal avancierteste unter Beethovens Ouvertüren. Im Zuge der Umarbeitungen zur zweiten Fassung der Oper 1806 unterzog Beethoven auch die Ouvertüre einer Bearbeitung, deren Ergebnis Leonore III war. Für die dritte Fassung der Oper, die den Titel Fidelio erhielt, schrieb er schließlich 1814 eine vierte Ouvertüre, jene, die heute bei Fidelio-Aufführungen gespielt zu werden pflegt. Die drei Leonoren-Ouvertüren nehmen sämtlich Bezug auf die Handlung der Oper: sie zitieren Florestans Arie In des Lebens Frühlingstagen und greifen – Leonore I ausgenommen – die entscheidende Szene der Handlung auf, nämlich jene, in der durch ein Trompetensignal die Ankunft des Ministers und damit die Rettung Florestans und Leonores angedeutet wird. Der mit dem Trompetensignal bezeichnete Umschlag der Handlung erlaubt dramaturgisch keine Reprise dessen, was voranging. Beethoven hat deshalb in Leonore II, in der das Signal gegen Ende der Durchführung erklingt, auf die Reprise verzichtet und nur noch eine ausgedehnte Coda folgen Jassen, die die Rettung feiert. Diese dramaturgisch legitime Gestaltung scheint den Musiker Beethoven jedoch nicht befriedigt zu haben; denn in Leonore III, die das Trompetensignal an der gleichen Stelle aufweist wie Leonore II, kehrte er, der Forderung der Sonatenform entsprechend, zur Reprise zurück, an deren dramaturgischem Widersinn sich mancher, beispielsweise Richard Wagner, gestoßen hat. Möglicherweise aber war Beethoven selbst mit dieser Lösung unzufrieden; und um sich dem unlösbaren Dilemma zu entziehen, schrieb er für die dritte Fassung seiner Oper eine völlig neue Ouvertüre, die – neutral wie eine Ouvertüre Rossinis – mit der Oper in keinerlei unmittelbarem Zusammenhang steht.

Egon Voss

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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