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Chorphantasie op. 80

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t1 Konzertführer
Ludwig van Beethoven
Chorphantasie op. 80

Die Idee der Verbindung von Instrumentalmusik mit einem vokalen Schlussteil zum Zweck der Ausdruckssteigerung ist Beethoven nicht erst bei der Skizzierung der neunten Symphonie gekommen; der früheste Plan scheint bis in das Jahr 1800 zurückzureichen. Auslösendes Moment, einen solchen Gedanken in die Tat umzusetzen, war freilich eine rein ‚praktische‘ Überlegung: Anlässlich der Akademie des 22. Dezember 1808, in der die neuen Symphonien Nr. 5 und 6 ihre Premiere erleben sollten, suchte Beethoven nach einem passenden Schluss-Stück, da er die ursprünglich dafür vorgesehene Fünfte nicht einem schon ermüdeten Publikum vorführen wollte, um deren Erfolg nicht aufs Spiel zu setzen. So stellte er eine Solo-Phantasie für Klavier, Variationen für Klavier und Orchester über die Melodie seines Lieds Gegenliebe (nach Gottfried August Bürger, 1795) und einen Schlusschor zu einer einzigen Komposition zusammen. Dieses Gebilde als Phantasie zu bezeichnen ist gewiss nicht ganz korrekt: Nur der erste, für das Klavier rein solistische Teil (den Beethoven bei der Uraufführung tatsächlich improvisierte) ist eine Phantasie; die insgesamt acht Variationen verschmelzen Elemente des konzertanten und des symphonischen Stils (der fünften und siebten Variation folgen jeweils Durchführungsteile) und münden schließlich in eine Kantate mit zusätzlichem obligatem Klavier, wobei die Singstimmen den Ausdruck der instrumentalen Musik ‚überhöhen‘ sollen. Die Affinität des hier wiederaufgenommenen Variationenthemas zur ‚Freudenmelodie‘ der neunten Symphonie ist leicht zu erkennen; desto befremdlicher, dass Beethoven dieses ‚Chorfinale‘ auf einen höchst trivialen, in letzter Minute bestellten Gelegenheitstext schrieb. Die Deklamation ist ungeschickt und holprig, lässt vermuten, dass der Text (dessen Autor nicht mit Sicherheit festzustellen ist, wahrscheinlich der Bühnendichter Christoph Kuffner) erst nachträglich der fertigen Musik unterlegt worden sei. Der Komponist selbst hat seinen Verleger vor der Drucklegung anzuregen versucht, die Chorstimmen anders, besser textieren zu lassen, was indes leider unterblieben ist.
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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