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Taras Bulba, symphonische Rhapsodie in drei Sätzen

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t1 Konzertführer
Leoš Janáček
Taras Bulba, symphonische Rhapsodie in drei Sätzen

Die steigende Hoffnung des tschechischen Volkes auf staatliche Selbständigkeit, die Ende Oktober 1918 zur Wirklichkeit wurde, war für Janáček ein mächtiger Schaffensimpuls. In patriotischer Begeisterung verfasste er während des Krieges seinen Taras Bulba, in dem er mit rhapsodischer Freiheit und der Großzügigkeit einer neuzeitlichen Freske Inhalt und Geist der gleichnamigen Novelle von Nikolaj Gogol beschwört, ohne sich allzusehr mit programmatischer Kleinmalerei zu belasten.

Im ersten Satz werden wir mit dem ‚Tod Andrijs‘ – so der Titel – konfrontiert. Der Sohn des Kosakenhauptmanns Taras Bulba ist aus Liebe zur Tochter des polnischen gegnerischen Heerführers vor der Schlacht bei Dubno – im 17. Jahrhundert – zum Feind übergelaufen. Der ihm das Leben gab, tötet ihn nun mit eigener Hand. Verrat kann Taras nicht dulden. Die kantable Süße erotischer Verführung und Hingabe findet in den harten Tönen der Verurteilung durch den Vater und dessen Abwendung in wildem Ritt durch die Steppe der Ukraine ihr Ende. Im zweiten Satz – ‚Ostaps Tod‘ – hören wir des zweiten Sohnes Klagen nach dessen Gefangennahme. Das wilde Treiben polnischer Soldaten und Ostaps hingebungsvolle Erinnerung an Heim und Familie geraten an- und ineinander. Vor seiner Hinrichtung durch die Feinde ruft Ostap in seiner Verzweiflung den Vater. Und dieser antwortet – unverhofft für alle – aus der Menge, um dann spurlos zu verschwinden. Der dritte Satz – ‚Prophezeiung und Tod des Taras‘ – gelangt im von den Posaunen getragenen Schluss zu einem eindrucksvollen Höhepunkt, den nur noch die mit Orgelklängen ausgestattete musikalische Apotheose übertrifft. Sie überhöht noch die stolze Prophezeiung des Taras, der im Feuer des Scheiterhaufens seinem Volk eine ruhmvolle Zukunft voraussagt. Janáček hat sich in schweren Zeiten auch für die tschechische Nation dieser Weissagung angeschlossen und sich mit ihr vor allem durch die Überzeugungskraft seiner Musik voll identifiziert.

Janáček hat sein spannungsgeladenes, unmittelbar ansprechendes, keinem starren Schema zuzuordnendes Werk, das ein Bindeglied zwischen den Früh- und Spätwerken des neuen Stils bildet, am 29. März 1918 beendet. Der Uraufführung konnte er erst am 9. Oktober 1921 in Brünn beiwohnen. Prag lernte das Werk weitere drei Jahre später kennen.
Pavel Eckstein

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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