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Symphonische Dichtungen, Janáček

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t1 Konzertführer
Leoš Janáček
Symphonische Dichtungen, Janáček

Des Spielmanns Kind (Šumařovo dítě) aus dem Jahre 1912 versucht, eine Ballade des von Janáček geschätzten Svatopluk Čech (1846 – 1908) in Töne umzusetzen. Ihr soziales Moment war für den Komponisten ausschlaggebend. Ein armer Spielmann ist gestorben. Im Traum erscheint er der alten Frau, die sich um sein kleines Kind kümmert. Er bringt aus dem Himmel eine Einladung, die sein Kind von aller Not und dem „Frost menschlicher Herzen“ befreien soll. Am Morgen ist des Spielmanns Kind tot und auch seine der Gemeinde vermachte Geige ist verschwunden. Die alte Frau fällt in Ungnade. In drei, voneinander nicht abgesetzten Abschnitten können wir die musikalische Charakterisierung des schweren Lebens auf Erden, in ausführlicher Steigerung das Versprechen auf himmlische Freuden und Linderung der Not sowie die folgende harte Wirklichkeit, der allerdings ein ruhiger, versöhnlicher Schluss folgt, finden.

Die Ballade vom Berg Blaník (Balada blanická) hält sich an die literarische Verarbeitung zweier hier miteinander verquickter Volkslegenden durch den bedeutenden Dichter und Dramatiker Jaroslav Vrchlický (1852 – 1912). Am Karfreitag öffnen sich die Berge, um ihre Schätze preiszugeben. Ein belesener Dorfbewohner betritt den sagenumwobenen Berg Blaník, wo sich bewaffnete Ritter aufhalten, um im Notfall ihrem Volk zu helfen. Jíra schläft ein und wacht erst nach hundert Jahren wieder auf. Inzwischen haben die Ritter anstatt Schwerter und Schilder Hauen und Pflüge in ihren Händen. Auch diese sind der Hilfe für das Volk zugedacht. In seiner Komposition aus dem Jahre 1920 baut Janáček aus vier kurzen Motiven, mit denen er wirkungsvoll arbeitet, die patriotische Idee der Vorlage aus, ohne in pathetische Töne zu verfallen.

Die Donau (Dunaj), in die Sätze Adagio – Allegro moderato, ma impeto – Allegro – Allegro vivo gegliedert, ist unvollendet geblieben. Einander widersprechend sind des Autors Ideen zur Konzeption. Sollte es eine Apotheose des Flusses werden? Dachte Janáček an seine im Schrifttum belegte schicksalhafte Tragik? Wohl nicht an ein Gegenstück zu Smetanas Die Moldau? Überliefert ist, dass hier Janáček das „Weib mit all seinen Leidenschaften und Trieben“ darstellen wollte. Inspirationsgrundlage des zweiten Satzes ist das Motiv freiwilligen Ertrinkens. Beim Scherzo des dritten Satzes soll er wohl an Wien, wo er Förderer gefunden hatte, gedacht haben. Ab 1923 beschäftigte sich der Komponist geraume Zeit mit den Gedanken an die Donau als symphonische Dichtung oder gar als Symphonie, aber schließlich hatte er es mit der Beendigung des Stücks nicht eilig. Es wurde 1948 von Janáčeks Schüler Osvald Chlubna durch eine Bearbeitung, die Ergänzungen miteinschließt, aufführungsreif gemacht.
Pavel Eckstein

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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