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Janáček: Kantaten

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t1 Konzertführer
Leoš Janáček
Janáček: Kantaten

Amarus auf einen Text von Jaroslav Vrchlický für Sopran, Tenor, Bariton, gemischten Chor und Orchester entstammt noch der Zeit vor der Jahrhundertwende. Später äußerte sich Janáček zu seinen damaligen Beweggründen: „Das Kloster in Brünn, mein armes dort verbrachtes Jünglingsdasein, die Einsamkeit und bangende Sehnsucht, dies alles brachte mir Amarus nahe. Mein Jugendsehnen fand Vrchlickýs Text. Auch Jugend und Frühling begegneten hier einander.“ Konkret geht es in dem fünfteiligen Stück (Moderato – Andante – Moderato – Adagio – Tempo di marcia funebre) um das Schicksal eines Mönchs, dessen Aufgabe es ist, täglich Öl ins ewige Licht zu gießen. Eines Tages erblickt er in der Kirche ein Liebespaar, folgt ihm auf den nahen Friedhof, um es dort in zärtlicher Umarmung zu entdecken. Er vergisst seine Pflicht – am nächsten Morgen ist die Lampe vor dem Altar erloschen und Amarus tot am Grab seiner Mutter, deren einstigem Fehltritt er Leben und hartes Schicksal verdankt. In der Musik dieser Kantate ist Janáček erst auf dem Weg zur Eigenständigkeit, trotzdem erreicht er in der musikalischen Charakteristik, besonders im Mittelteil – das Liebespaar –, einen sehr persönlichen, fesselnden Ausdruck.

Das Gasthaus am Berg Solán (Na Soláni čarták) für Tenorsolo, Männerchor und Orchester hat einen Text von Martin Kurt (Max Kunert). Auf dem Weg aus der Ebene auf den Berg sehnt sich der Jüngling nach seinem bleichen Mädchen. Aus der Schenke am Berggipfel locken Tanzweisen und innen des Gastwirts schönes Töchterlein. Erst in ausgelassenem Tanz, dann im Sternenzauber über den Baumkronen finden die beiden jungen Leute zueinander und alle Vergangenheit ist vergessen. Das von Leidenschaft durchpulste Werk wird wohl wegen seiner Kürze (sieben Minuten!) nur selten aufgeführt, aber Janáček hat hier (1911) Milieukenntnis, Vertrautheit mit der Volksmusik seiner weiteren Heimat und seine ewige Liebessehnsucht mit Temperament und inniger Melodik in meisterhafter Kürze wirkungsvoll gestaltet.

Das ewige Evangelium (Věčné evangelium), wiederum auf einen Text von Jaroslav Vrchlický, verlangt Sopran- und Tenorsolo, gemischten Chor und Orchester. Das Gedicht schildert die Vision des Zisterzienserabts Joachim von Fiore (gest. 1202), dem ein Engel mit dem „ewigen Evangelium“ das Reich der Liebe zu aller Kreatur voraussagt, in dem Franz von Assisi der Hohepriester sein wird. Vrchlický hat diese Vision stark ausgeschmückt und deren Vertonung nicht gerade erleichtert. Die Grundidee war aber Janáček so wichtig und nah, dass er durch seine Kunst und geschickte Eingriffe in die Vorlage die meisten Hürden überwand. Interessant, dass er hier – im Jahre 1914 – von seinem mit der ‚Sprachmelodie‘ verbundenen Kompositionsprinzip abließ und mit eher traditionellen charakteristischen Motiven arbeitet, denen er allerdings immer wieder Anklänge an aus dem Tonfall gewonnene Floskeln als motivisches Kleinwerk zugesellt. Das Werk zerfällt in einen aus drei Abschnitten bestehenden Hauptteil und einen Epilog. Mit dem Motiv der „Sehnsucht, die die ganze Welt umarmen will“, beginnt die Kantate in großen Oktavschritten. Zum dunklen Gesang der Mönche bilden drei Soloviolinen mit dem Engelsmotiv einen wirkungsvollen Kontrast. Die Vision Joachims (gebildet aus dem Liebesthema und dem Engelsgesang in verkürzter Form) füllt den zweiten Abschnitt aus, während der dritte direkt der Prophezeiung des Engels („Des Geistes Reich, es kommt“) mit krönendem Chorschluss vorbehalten ist. Der Epilog beginnt nachdenklich, um dann Joachim mit seiner Vision bedeutungsvoll zu Wort kommen zu lassen, der wiederum nur noch der hoffende Schluss des Chors folgt. Nach der Uraufführung am 5. Februar 1917 in Prag konstatierte ein renommierter Rezensent: „Es ist eine eigentümliche Komposition von ungewohnter Tönung, aber es ist etwas Atemberaubendes in ihr.“
Pavel Eckstein

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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