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Glagolitische Messe

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t1 Konzertführer
Leoš Janáček
Glagolitische Messe

Am Beginn seiner Laufbahn hat Janáček, der Klosterzögling und Regens chori einer Brünner Kirche, auch geistliche Kompositionen geschrieben. Bedeutet also die Glagolitische Messe eine Rückkehr zu Gott? Nein, so kann man dieses Werk nicht auslegen. Schon im Schlauen Füchslein war Janáčeks Pantheismus, zu dem er sich durchgerungen hatte, unverkennbar. In der Glagolitischen Messe aber ging es dem Komponisten darum, an einem kirchlichen Text seine geistige Haltung zu demonstrieren. Bezeichnend ist schon, dass Janáček den altslawischen und nicht den gängigen lateinischen Messetext wählte. Die Musik zeugt davon, dass Janáček nicht im Bann des kirchlichen Dogmas stand. Wenn im Věruju (Credo) weltliches Leben und die Natur in den geistlich-geistigen Raum einbrechen, versteht man, dass hier der Mensch mit Gott als Gleicher mit Gleichem spricht, ja sogar wagt, eine Messe gegen Gott zu schreiben – anders lässt sich die stürmische, sich aufbäumende, völlig unorthodoxe Passacaglia der Orgel am Schluss der gesungenen Messe – der das Benedictus fehlt – gar nicht deuten. Unkonventionell für unsere Zeit und die ihr vorangehenden Perioden der Musikgeschichte schließt dann diese Messe wieder im Sinn sehr alter Tradition mit den Klängen der Fanfarenintrada.

Mit der Wahl des Textes bekundete Janáček wiederum seine besondere Vorliebe für alles Slawische, das ihm mit Rücksicht auf die geographischen Gegebenheiten seiner engeren Heimat, aber auch aus nationaler Gesinnung, die damals mit dem politischen Denken aufgeklärter Tschechen Hand in Hand ging, besonders nahelag, wie die Stoffwahl auch auf dem Gebiet der Oper, ja der Kammermusik belegt. Nicht minder groß war auch hier der Einfluss der Natur als unendlicher Schöpferkraft („Die Kirche wuchs mir zu der riesenhaften Größe des Waldes und des hochgewölbten Himmels in vernebelnde Weiten“), der patriotischen Vision („... in der Zeremonie die fürstliche Gestalt des heiligen Wenzel und die Sprache der Glaubensapostel“) und des Glaubens an die Sendung seines Volkes („Ich wollte hier die immerwährende Existenz der Nation nicht auf religiöser Grundlage, sondern auf der felsenfesten sittlichen Basis festhalten, die Gott als Zeugen anruft“). Und schließlich hat er nicht versäumt, in einem Brief an die geliebte Kamilla darauf hinzuweisen, dass der Dom dieser Messe auch der geistige Ort ihrer Verbindung sei.

Janáček hat die Messe in kürzester Zeit – er spricht von drei Tagen, andernorts von drei Wochen –, wahrscheinlich von Mitte August bis in die ersten Oktobertage 1926 niedergeschrieben. Nicht lange vorher war er von seiner ersten Reise nach England zurückgekommen. Zum ersten Mal erklang die Glagolitische Messe in Brünn unter der Leitung seines Schülers Jaroslav Kvapil. Bald folgten Aufführungen in Berlin, Genf und New York.

Die meisten seiner restlichen Kompositionen für Orchester und Chor hat Janáček in der ersten, weniger bedeutenden Phase seines Schaffens geschrieben; sechs bis zur Uraufführung der Jenůfa, drei bis Kriegsende und nur zwei in seiner reifsten Periode. Eine kurze Charakterisierung erfolgt hier nicht nach der chronologischen Abfolge, sondern dem Genre entsprechend.
Pavel Eckstein

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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