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Symphonie Nr. 98 B-dur

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t1 Konzertführer
Joseph Haydn
Symphonie Nr. 98 B-dur

Die Symphonie Nr. 98 B-dur schlägt gleichsam einen Bogen zurück in die Vergangenheit, die sich Haydn, Gestus und Praktiken zitierend, nochmals zurückruft und anverwandelt. Barocker Ernst und Ehrwürdigkeit – den die erstmals in einer B-dur-Symphonie eingesetzten Trompeten und Pauken noch unterstreichen – kennzeichnet schon die langsame Einleitung, die gewichtig einherschreitend, das Thema in Moll vorstellt. Die Dur-Variante im Vivace-Teil dagegen ist eher elegant, zumal der Nachsatz die Strenge des Adagios mit der spielerischen Leichtigkeit des etwas kokett gesetzten Doppelschlags widerruft. Auch die Durchführung wird vom Wechsel zwischen leidenschaftlich-bewegten und ruhigen Abschnitten geprägt.

Vom Adagio wird allgemein angenommen, dass Haydn den Satz im Gedenken an Mozart geschrieben habe, dessen Tod er zu dieser Zeit in London erfuhr. In der Tat gibt es manche Bezüge zu Mozart, vor allem zum Andante der Jupiter-Symphonie. Der bedrückende, trauernde Tonfall der Musik hinterlässt vor allem einen starken emotionalen Eindruck, nicht minder bemerkenswert ist jedoch die kompositorische Souveränität, die Haydn in der feinen Ausarbeitung des musikalischen Satzes und der Instrumentierung erneut unter Beweis stellt. Wie das Adagio ist auch das Menuett eher dunkel getönt, seine scharfen Sforzati-Schläge lassen die Heiterkeit und Unbeschwertheit des höfischen Tanzes nicht recht aufkommen, erheben ‚symphonischen‘ Anspruch. Das Trio hingegen ist noch deutlich vom Volkston bestimmt. In den sich auf der Stelle drehenden Sekundbewegungen klingt es manchmal wie die Parodie eines Trios und kündigt so den Witz des vierten Satzes schon an.

Das Finale nämlich verbindet höchste kompositorische Qualität mit jenem Haydnschen Witz, der – sehr ‚sophisticated‘ – mit musikalischen Formen und der entsprechenden Hörerwartung des Publikums sein Spiel treibt. Der Satz beginnt wie ein gewöhnliches Rondo, mündet dann aber nach dem ersten (wiederholten) Teil in einen As-dur-Abschnitt, in dem Johann Peter Salomon, der Auftraggeber Haydns und ein berühmter Geiger, zweimal die Gelegenheit zu ausgedehnten Violin-Solos erhält. Am Ende der langen Coda schließlich setzt Haydn, der die erste Aufführung am 2. März 1792 selbst vom Cembalo aus leitete, zu einem in den höchsten Lagen sich abspielenden Cembalo-Solo an – ein Anachronismus, der dem im Symphonieorchester weitgehend bedeutungslos gewordenen Instrument sozusagen eine letzte Genugtuung, dem Publikum aber wahrscheinlich ungeheures Vergnügen verschaffte.
Rainer Pöllmann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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