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Symphonie Nr. 97 C-dur

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t1 Konzertführer
Joseph Haydn
Symphonie Nr. 97 C-dur

Die Symphonie Nr. 97 ist Joseph Haydns letzte Symphonie in C-dur. Wie die meisten ihr vorausgehenden macht auch sie einen ernsten und feierlichen Eindruck, war doch C-dur für Haydn die ‚festliche‘ Tonart schlechthin. Darüber hinaus ist die C-dur-Symphonie jedoch auch eine der ungewöhnlichsten, die zeitgenössischen Zuhörer vermutlich befremdende unter den zwölf Londoner Symphonien.
Die langsame Einleitung – mit der Coda des Vivace-Hauptteils motivisch verknüpft – hebt streng und gravitätisch an. In ihren harmonischen Spannungen kündigt sie schon gleichsam die Durchführung an, die mit ihren Ausweichungen, der ausgeprägten Vorhaltschromatik, den kühnen Fortschreitungen ausgesprochen ‚modern‘ klingt. Vom Hauptthema des Vivace greift die Durchführung vor allem den scharf punktierten Auftakt des Nachsatzes auf, dessen metrische Gestalt – ähnlich wie in der Symphonie Nr. 96 – im Wechsel von Auf- und Abtaktigkeit verarbeitet wird. Eine Besonderheit des Kopfsatzes stellt auch das in Haydns Symphonien seltene zweite Thema dar, von tanzartigem, leichtem Charakter, das freilich in der Durchführung kaum in Erscheinung tritt. Der langsame Satz ist ein Variationensatz. Nach einer langen Exposition löst die erste Variation die rhythmischen Konturen des Themas, das dem Auftaktmotiv des Vivace nachgebildet ist, in eine figurierte durchlaufende Triolenbewegung auf. Während die zweite Variation als Moll-Teil Haydns üblicher Verfahrensweise entspricht, ist die dritte in ihrer klanglichen Gestalt außerordentlich gewagt. Die langen, ‚al ponticello‘ (später im piano ‚vicino al ponticello‘) zu spielenden Abschnitte müssen in ihrem scharfen, harten Charakter Haydns Publikum wahrhaft unerhört geklungen haben. Ungewöhnlich ist auch das Menuett, das durchkomponiert ist und somit eine variierte Wiederholung aufweist. Auch in diesem Satz gibt es verstörende Momente, etwa, wenn in den leisen Mittelteil die Pauke grob im Fortissimo hereinbricht. Bodenständig ist das Trio, ein volkstümlich-einfacher Tanz, dessen Derbheit durch Haydns Kunst gleichsam geadelt wird. Am Ende des Satzes steht eine höflich-ironische Reverenz für den Auftraggeber der Londoner Symphonien ein Violinsolo für Johann Peter Salomon, ‚ma piano‘.

Das Finale ist, wie meist bei Haydn, eine Mischform aus Rondo und Sonatensatz, die Episoden vertreten dabei die Durchführungsteile. Eine letzte Haydnsche Überraschung steht kurz vor dem Ende des Satzes, wenn die lebhafte Bewegung zweimal auf Vorhaltsakkorden anhält, für einen Moment still verharrt, bis der Satz in einer resolut aufwärts treibenden Streicherfigur dem Ende zustrebt.
Rainer Pöllmann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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