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Symphonie Nr. 96 D-dur

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t1 Konzertführer
Joseph Haydn
Symphonie Nr. 96 D-dur

Abweichend von der eingebürgerten Zählung ist die Symphonie Nr. 96 D-dur die erste der zwölf Londoner Symphonien, die Joseph Haydn für den Impresario und Geiger Johann Peter Salomon schrieb. Sie wurde am 11.März 1791 im ersten Konzert, das Haydn in London gab, zum ersten Mal aufgeführt und sicherte ihm von Beginn an den Respekt des Londoner Publikums. Wie alle Londoner Symphonien – mit Ausnahme der Nr. 95 – beginnt das Werk mit einer langsamen Einleitung, deren Hauptmotiv gleichsam das Motto für die ganze Symphonie abgibt: Aus dem gebrochenen Sextakkord der Einleitung nämlich sind auch die Themen des zweiten Satzes, des Trios und des Finales abgeleitet.

Die starke konstruktive Durchbildung der Symphonie zeigt sich auch im Allegro des Kopfsatzes. Dessen Thema, ein rhythmisch prägnantes Auftaktmotiv, wird bestimmend für den ganzen Satz, durchdringt alle kompositorischen Schichten. Seine metrische Variabilität – es beginnt auftaktig mit drei Achtelnoten, die abtaktig das Thema beschließen – bietet zudem in der Durchführung reiche Verarbeitungsmöglichkeiten. Die Durchführung gibt auch ein Beispiel für Haydns musikalischen Witz, sein Spiel mit den an festen Formen orientierten Erwartungshaltungen der Hörer: Zwei Takte Generalpause scheinen den Eintritt der Reprise anzukündigen, der auch tatsächlich erfolgt, nur leider scheinbar und auf einer falschen Stufe. Erst später merkt der Hörer, dass er sich hat täuschen lassen. Das Andante besticht durch seine differenzierte Instrumentierung, den klug disponierten Wechsel zwischen den eher kompakten Streichern und den filigranen Bläsern. Der Mittelteil der dreigliedrigen Anlage ist – darin für die Londoner Symphonien typisch – in Moll gehalten. Ungewöhnlich ist der Schlussteil: Nach einem Quartsextakkord folgt, wie in einem Solokonzert oder Concerto grosso, eine ‚Kadenz‘ zweier Soloviolinen – möglicherweise eine Hommage Haydns an den Londoner Geschmack, der auch zu seiner Zeit noch wesentlich vorn Barock, zumal von Händel, beeinflusst war.

Das Menuett, voller Elan, erhebt durchaus großen, symphonischen Anspruch. Wird der Dreiertakt in ihm eher überspielt, so betont ihn das Trio umso stärker; den Ländler der Solo-Oboe begleiten die Streicher in fast walzerartiger Manier.
Im Finale, einem geschwind dahineilenden Satz im Vivace assai, verschränken sich Rondo- und Sonatensatzform, wobei die Episoden – zumal die zweite in Moll stehende – zunehmend Durchführungscharakter bekommen, ein Verfahren, das Haydn in fast allen (späten) Symphonien anwandte.
Rainer Pöllmann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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