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Die Symphonien

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t1 Konzertführer
Joseph Haydn
Die Symphonien

Seit den grundlegenden Forschungen von Howard Chandler Robbins Landon ist es bekannt, dass die Zählung der Symphonien Haydns weder mit der tatsächlichen Abfolge noch mit der stilistischen Entwicklung übereinstimmt. Die bis heute übliche und durch das Werkverzeichnis von Anthony van Hoboken sanktionierte Zählung geht zurück auf den österreichischen Musikforscher Eusebius Mandyczewski, der bereits 1907 für die geplante erste Haydn-Gesamtausgabe eine vollständige, vermeintlich ‚chronologische‘ Liste aller überlieferten Symphonien entwarf. Es ist klar, dass ihm bei dem damaligen Stand der Forschung – Haydn ist ja der einzige unter den großen Komponisten, der im 19.Jahrhundert nicht durch eine kritische Gesamtausgabe zum ‚Denkmal‘ erhoben wurde – viele Quellen noch unbekannt sein mussten. Aufschluss über Datierungen geben, außer erhaltenen Autographen, gewisse stilistische Merkmale, die aber im Falle Haydns in ein seltsames Zwielicht geraten, da Haydns kompositorische Entwicklung keineswegs linear verläuft, sondern erhebliche Sprünge oder Umwege macht; selbst mit gelegentlichen Rückgriffen auf bereits Erreichtes muss gerechnet werden. Autographe fehlen insbesondere für den Zeitraum von 1774 bis 1783, also genau für die kompositorische Phase, in der sich der Wiener klassische Satz entscheidend herauskristallisiert. Hier müssen die Erstdrucke für die annähernde Datierung genügen. Haydn war in diesem Jahrzehnt schon so berühmt, dass seine Symphonien in ganz Europa verbreitet waren, obwohl er selbst bis 1790 dem Fürsten Esterhazy diente und kaum aus dem Burgenland herauskam. Freilich war er alles andere als ein demütiger Fürstenknecht; er hatte vielmehr das Glück, unter den Augen und Ohren des Fürsten seine innere Wandlung von der Gelegenheitssymphonie bis hin zur autonomen klassischen Symphonie ohne Einschränkung von außen durchmachen zu dürfen. Es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass dieser Entwicklung eine quantitative Abnahme der Produktion bei gleichzeitiger Zunahme an innerer Qualität entspricht.

Den letzten zwölf Londoner Symphonien stehen rund vierzig – immerhin fast ein Drittel der Gesamtproduktion – aus den ersten beiden Phasen (1758 bis 1765) gegenüber. Der Gesamtüberblick über die Symphonik Haydns wird noch dadurch erschwert, dass strenggenommen kaum stilkritische Einschnitte vorgenommen werden können, da sich Haydn auf jeder Stufe im komplexen Rahmen bewegt. Folglich gilt es, besonders auffällige Merkmale zu nennen, ohne dabei ein Kompendium der symphonischen Welt Haydns entwerfen zu wollen. Leitfaden der folgenden Betrachtungen der Symphonien Nr. 1-81 soll Haydns Aussage sein, die einer seiner ersten Biographen, Georg August Griesinger, überliefert hat : „Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beifall, ich konnte als Chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den Eindruck hervorbringt und was ihn schwächt –“ die Symphonie ist ja, im Unterschied zum Streichquartett, das sich an die Spieler richtet, auf die Wirkung beim Zuhörer angewiesen – „also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen –“ Haydn beschreibt hier das Wesen des Wiener klassischen Satzes, freilich in seiner experimentellen Haltung – „ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden» (Hervorhebung des Autors).
Dietmar Holland

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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