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Brandenburgische Konzerte (BWV 1046-1051)

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t1 Konzertführer
Johann Sebastian Bach
Brandenburgische Konzerte (BWV 1046-1051)

Die Benennung dieser sechs Konzerte geht auf Bachs Widmung an Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg (1677-1734) zurück, dem jüngsten Sohn des Großen Kurfürsten, den er bei einem Besuch in Berlin kennengelernt hatte. Das Widmungsexemplar trägt das Datum vom 14. März 1721, entstanden sind die Konzerte aber wahrscheinlich in den Jahren 1718 bis 1721 für Bachs Köthener Hofkapelle. Bachs Originaltitel Six Concerts avec plusieurs instruments bezeichnet das Spezifikum dieser Konzerte genau: die abwechslungsreiche Besetzung ‚mit mehreren Instrumenten‘, das heißt jeweils verschiedenen Streichern, Bläsern oder Solocembalo für das Concertino. Sie verleiht jedem Konzert den Rang eines eigenen musikalischen Individuums: eine schöpferische Selektion aus den Möglichkeiten des zugrundeliegenden Concerto grosso – Typs Vivaldischer Prägung. Die Konzerte sind nicht in der Reihenfolge ihrer Nummerierung entstanden, denn gleichzeitig spiegelt sich in ihnen die Umstellung von einer Art ‚Gemeinschafts-Spielmusik‘ ohne festen Tutti-Soli-Kontrast zu Beginn der Köthener Zeit, 1717 (wie in Nr. 1, 3 oder 6), bis zum Solokonzert (Nr. 4 und 5) am Ende dieser Zeit (1723), wohin ja auch Bachs Violinkonzerte chronologisch gehören.

Das erste Konzert (F-dur) weist die größte und festlichste Besetzung mit Jagdhorn, Trompete, Oboe und (teilweise solistischem) Fagott auf sowie einem Violino piccolo im Concertino und brilliert mit einer pompösen Reihung von stilisierten Tanzsätzen im Finale.
Auch das zweite Konzert (F-dur) bleibt bei starkem Bläserklang. Im dritten Satz ‚Allegro assai‘ wird die solistisch hervortretende Trompete sogar bis zu f3 geführt.Im dritten Konzert (G-dur) scheint der Typ des Concerto grosso faktisch aufgegeben. Zum einen umfasst es nur zwei Sätze, die durch zwei Adagio-Akkorde einer phrygischen Kadenz, gewissermaßen dem Rudiment eines langsamen Mittelsatzes, verbunden sind. Zum anderen wird auf Soli verzichtet. Es konzertieren vielmehr drei gleichberechtigte Streichergruppen verschiedener Lage (Violinen, Bratschen und Celli) fast nach Art des älteren Vokalkonzerts.

Der durchsichtige, intime Klang einer Concertino-Besetzung aus Blockflöten und Violinen leitet im vierten Konzert (G-dur) ein klangliches Diminuendo ein, das sich im gedämpften Habitus des letzten Konzerts zu vollenden scheint.
Das fünfte Konzert (D-dur), vermutlich 1720/21 entstanden und damit das jüngste, führt das Cembalo als Soloinstrument ein. Eine ausgedehnte, 65 Takte umfassende, virtuose Solokadenz bereitet zum Schluss des ersten Satzes die Reprise des Anfangstuttis vor. Man darf vermuten, dass hier Bach selbst konzertierend am Cembalo glänzte und damit gleichzeitig zum Schöpfer des Klavierkonzerts wurde.
Das sechste Konzert (B-dur) schließlich zielt mit einer ausschließlich aus Streichinstrumenten der tiefen Lagen bestehenden Besetzung von Bratschen, Gamben und Violoncello auf ein ganz ungewöhnlich sonor verdunkeltes Klangbild ab. Die Wahl dieses, zu Bachs Zeit schon veralteten Instrumentariums wurde möglicherweise in Hinblick auf eine Mitwirkung von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen an der Gambe getroffen. Es unterstützt jedenfalls die Annahme, dass es sich hier um das älteste Konzert der Gruppe handelt, mit einer Entstehungszeit vor oder um 1718.
Klaus Peter Richter

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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