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Threni: ld est Lamentationes Jeremiae Prophetae

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t1 Konzertführer
Igor Strawinsky
Threni: ld est Lamentationes Jeremiae Prophetae

Die in Venedig begonnene und dort uraufgeführte lateinische Threni für sechs Gesangssolisten, gemischten Chor und Orchester auf die alttestamentarischen Klagegesänge des Propheten Jeremias, komponiert 1957/58, ist Strawinskys erste vollständig zwölftönige Komposition. Sie ist zudem sowohl die umfangreichste Partitur seiner letzten Schaffensperiode als auch seine aufwendigste Sakralkomposition überhaupt.
Die Lamentationen des Jeremias sind Teil des Rituals sowohl der jüdischen als auch römisch-katholischen Kirche. Strawinsky verwendet daraus die erste, dritte und fünfte Elegie: die Elegie von der Erniedrigung Jerusalems; der Klage, Hoffnung und Tröstung des Propheten; dem Bittgesang um Erneuerung. Gemeinsamkeiten mit Canticum Sacrum sind die Verwendung einer Einleitung und eines dreigeteilten Mittelabschnitts: lncipit lamentatio Jeremiae Prophetae; De Elegia Prima, De Elegia Tertia (‚Querimonia‘, ‚Sensus Spei‘, ‚Solacium‘); De Elegia Quinta. Die Außenteile sind für Chor und Solisten gesetzt, die Innenteile ausschließlich den Solisten vorbehalten.

Ein Hauptmerkmal des Werkes ist die litanei-artige Intonation hebräischer Buchstaben vor jedem Vers der Solisten in den Teilen De Elegia Prima und De Tertia. Sie haben kadenzielle Wirkung und sind vergleichbar den illuminierten Buchstaben etwa eines spätmittelalterlichen Manuskripts. Diese nach frühbarockem Oratorien-, Vespern- und Motettenbrauch aufgegriffene alphabetische ‚Interpunktion‘ erinnert an synagogale Aufführungsgebräuche, aber auch an die Chorresponsorien der östlichen Liturgie. Ferner genannt sei der von Roman Vlad als „tonale Polarisation der Zwölftonskala“ gekennzeichnete Schluss, wo die Singstimmen zusammen mit zunächst zwei, dann vier Hörnern die dem Werk zugrundeliegende Zwölftonreihe mitsamt Krebs, Umkehrung und Krebsumkehrung gleichzeitig vortragen. Eine instrumentationstechnische Eigenart betrifft die Verwendung von Sarrusophon und Flügelhorn. Zu den verschiedentlichen Reihenpermutationen, zu denen es vor allem im Querimonia-Abschnitt mit seinen taktstrichlos notierten Kanons kommt, bemerkt Strawinsky: „Die Stimmen sind nicht ständig rhythmisch unisono. [...] Es gibt jedenfalls keine starken Taktteile in diesen Kanons, und der Dirigent muss sie lediglich auszählen, wie er eine Motette von Josquin auszählt.“
Manfred Karallus

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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