Giselher Klebe

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Giselher Klebe
Giselher Klebe

geb. Mannheim, 28. Juni 1925 – gest. 05. Oktober 2009

Giselher Klebe ist oft als die neben Henze markanteste Erscheinung des deutschen Musiktheaters bezeichnet worden, und die Beschreibung ist wohl auch für die Jahre seit 1955 zutreffend. Seit der Aufführung der Zwitschermaschine (Metamorphosen über ein Bild von Paul Klee op. 7) in Donaueschingen im Jahre 1950 hat sich Klebe jedoch zunächst als Orchesterkomponist einen Namen gemacht. Geboren wurde Klebe 1925 in Mannheim, ersten – durch Kriegsdienst unterbrochenen – Kompositionsunterricht erhielt er bei Kurt v. Wolfurt am Berliner Konservatorium. Später wurden Rufer und Blacher seine Lehrer. Seit 1957 leitet Klebe als Nachfolger Fortners eine Kompositionsklasse an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold.

Josef Rufer und Boris Blacher sind die Pole, von denen aus sich die Musik Klebes entwickelt. So schrieb er unter dem Einfluss Blachers rhythmisch-prononcierte, unsentimentale, klar proportionierte Musik. Unter Rufers Einfluss wandte er die ‚12-Ton-Methode‘ an. Nach den frühen Symphonien bilden Instrumentalkonzerte Schwerpunkte seines Oeuvres, es folgt ein Ballett (menagerie nach Wedekinds Lulu), eine Symphonische Szene für Beatband und Orchester mit dem Titel Herzschläge, Furcht, Bitte und Hoffnung, eine Symphonie Villons Testament sowie Orpheus aus dem Jahre 1976. In ihrem emotionalen Habitus wird die Musik Klebes getragen vom emotionellen Überschwang, wie ihn die Musik Bergs charakterisieren könnte, der jedoch stets im Kontrast zu rationaler Einbindung steht. Gerade Klebes Orchesterwerke zeigen so einen gebrochenen Charakter, dessen Spannung aus dem unausgelöschten Konflikt zwischen internem formsprengendem Impetus und der rationalen Gliederung des Äußeren besteht.

Zu Giselher Klebes szenischen Hauptwerken zählen die Opern Die Räuber (1957, nach Schiller), Alkmene (1961, nach Kleist), Figaro lässt sich scheiden (nach Horvàth) und Jakobowsky und der Oberst (1965, nach Werfel). Besonders die beiden letzten Werke fanden Eingang in die Spielpläne deutscher Opernbühnen. „Meine spezielle Liebe zur Oper“, so Giselher Klebes Credo, die als bezeichnend für sein gesamtes kompositorisches Schaffen gelten könnte, „entwickelte sich aus einer schon sehr früh gewonnenen Erkenntnis, dass meine Musiksprache ohne dramatische Hintergründe nicht auskommt. Ich bin kein abstrakter Musiker in dem Sinne, dass mich das System der Töne a priori interessiert. Mich interessierte und interessiert immer nur das Spiel der Töne im Sinne der Gewinnung einer Aussage, die ich als Ansprache an das Gegenüber, das meine Musik hört, verstehe.“

Lothar Mattner

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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