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Symphonie C-dur

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t1 Konzertführer
Georges Bizet
Symphonie C-dur

Diese 1855, ausdrücklich als Nr. 1 geschriebene Symphonie wurde erst zu Beginn der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts entdeckt. Die Uraufführung fand 1935 unter Felix Weingartner in Basel statt. Seitdem steht die Symphonie neben L’Arlésienne- und Carmen-Suiten auf Programmen in aller Welt, wozu es die übrigen Werke Bizets nicht gebracht haben. Der Ruhm ist dennoch nicht uneingeschränkt. So wie die Suiten aus Carmen und L‘Arlésienne nicht in den großen Symphoniekonzerten erscheinen, ist man geneigt, auch die C-dur-Symphonie eher der leichteren Muse zuzuordnen, als sei sie der symphonische Versuch eines Operettenkomponisten. Es ist gewiss kein Zufall, dass das Werk vor allem den Beifall der Choreographen fand; sechs Ballettadaptionen lassen sich nachweisen, darunter eine besonders berühmte von George Balanchine. Die offenkundige Eignung fürs Ballett verrät etwas über den Charakter der Musik, die im Gegensatz zur deutschen Tradition das Symphonische nicht in Tiefsinnigkeit und lastender Schwere sucht. Die deutsche Neigung, eine leicht anmutende und elegant formulierte Musik für oberflächlich zu halten, verkennt das Werk zwangsläufig. Da es überdies das Werk eines Siebzehnjährigen ist und sich deutlich an benennbare Vorbilder anlehnt, lässt es sich leicht als Schülerarbeit abtun. Die Arbeit eines Schülers ist diese Symphonie zwar auch, aber es ist zugleich der offenkundige Versuch, das tradierte Modell über die Tradition hinauszuführen. Der Tonfall ist derjenige Haydns und Mozarts, während die Dimensionen eher die der Symphonie Beethovens sind, um den das Stück im Übrigen aber wie auch um Berlioz gleichsam einen Bogen macht. Bemerkenswert sind die Anklänge an Mendelssohn Bartholdy und vor allem an Schubert, dessen Symphonien Bizet jedoch schwerlich gekannt haben dürfte. Was besonders auffällt, ist die Übersteigerung der klassischen Modelle und Prinzipien, sodass die Nachahmung kaum mehr unbefangen-naiv genannt werden kann, sondern wie eine solche zweiter Natur wirkt, nicht unähnlich der Symphonie classique von Prokofjew. Bizets unverkennbarer Ehrgeiz, ein Stück rein absoluter Musik zu schaffen, der sich zum Beispiel in dem konsequenten Beharren auf motivisch-thematischer Einheit, besonders im ersten und dritten Satz, zeigt, wird immer wieder von Zügen unterlaufen, die programmmusikalisch oder gar opernhaft sind und wie Einbrüche in die etwas künstlich anmutende Sphäre der absoluten Musik wirken. Sie reißen die zur Glätte neigende klassizistische Fassade stets aufs Neue auf und tragen wesentlich zur auch heute noch wirkenden Lebendigkeit der Musik bei.
Egon Voss

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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