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George Antheil

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George Antheil
George Antheil

Trenton, 8.Juli 1900 – New York, 12. Februar 1959
Der Amerikaner George Antheil, Schüler von Ernest Bloch in New York, gilt als klassisches Enfant terrible der neuen Musik. Kompositorische Begabung, Provokationslust und Entertainment wusste er überzeugend miteinander zu verbinden und bemühte sich selbst nach Kräften, diesem Markenzeichen gerecht zu werden. In seinen 1945 unter dem Titel Bad Boy of Music erschienenen Lebenserinnerungen (deutsch: Enfant terrible der Musik, München 1960) schildert er mit einer amüsanten und geistreichen Mischung von Dichtung und Wahrheit den Lebensweg eines Pianisten und Komponisten, der mit zweiundzwanzig Jahren nach Europa übersiedelt, um hier das bürgerliche Publikum der Nachkriegszeit mit Konzertskandalen aus dem Häuschen zu bringen. Schauplätze seiner musikalischen Bilderstürmerei waren vor allem Berlin, wo er sich 1923 der ‚Novembergruppe‘ um Kurt Weill, Jascha Horenstein und Hans Heinz Stuckenschmidt anschloss, und das Paris der Surrealisten. Von den einen wurde er als Inkarnation des Amerikanismus in der Kunst belächelt und beschimpft, von den anderen als Herold einer neuen Musik des technischen Zeitalters gefeiert. Die Stücke, die er als Solist oder im Duo spielte, trugen Titel wie Airplane Sonata, Sonatina Death of the Machines, Sonata Sauvage und Jazz Sonata. Synkopen, gehämmerte Ostinati, gehetzte Tempi, Jazzeinflüsse und ein montageähnliches Formprinzip waren ihre Merkmale.
Von seinen Bühnenwerken ist seine 1930 in Frankfurt uraufgeführte Oper Transatlantic jüngst wieder der Vergessenheit entrissen worden. In Erinnerung bleibt Antheil jedoch vor allem als Komponist des Ballet mecanique. Das Stück entstand 1924/25 zum gleichnamigen Film von Fernand Leger und vereinigt die harte, trockene Klangsprache von acht Klavieren mit Schlagzeugklängen und Maschinengeräuschen im Stil der futuristischen Geräuschexperimente. Die konzertante amerikanische Erstaufführung fand 1927 in New York nach einer reißerischen Vorauspropaganda statt. Die differenzierteren strukturellen und formalen Aspekte wurden im Konzert einer showähnlichen Inszenierung geopfert; unter anderem setzten die Veranstalter während der Aufführung einen richtigen Flugzeugpropeller in Gang. Das Spiel mit der Provokation und dem Skandal schlug auf Antheil und sein Werk zurück und prägte die Rezeption jahrzehntelang in einer für den Komponisten unerwünschten Weise. Erst 1954, bei einer zweiten, in den Mitteln reduzierten Aufführung, gelang Antheil die Rehabilitierung.
Aus dem gleichen Geist wie das Ballet mecanique geboren ist A Jazz Symphony, ebenfalls 1925 entstanden und zwei Jahre später in New York uraufgeführt. In ihr fasste Antheil seine Erfahrungen mit der ‚Negermusik‘, wie man damals sagte, zusammen. Im Vergleich zu europäischen Kollegen wie Hindemith, Weill oder Krenek ist Antheil auch hier direkter, frecher, witziger und weniger belastet von Verpflichtungen gegenüber der ‚ernsten‘ Tradition. Das burleske, rund siebenminütige Stück für Bläser, Streicher, Klavier und Schlagzeug mündet zum Schluss in eine parodistische tonale Wendung.
Schon vor der endgültigen Rückkehr Antheils in die USA im Jahre 1936 ließ die Resonanz seiner Werke in Europa nach. Die Provokationsstrategie der ‚roaring twenties‘ verpuffte zunehmend, zumal manche Widerhaken in Antheils Musik doch eher auf vordergründiger Wirkung beruhen. Es wäre gewiss interessant, diesen Sachverhalt an Titeln wie der Sinfonia Zingareska (Uraufführung 1922 in Berlin), der Symphonie in F (1926, Paris) und dem Klavierkonzert (1927, Paris), die heute praktisch vergessen sind, zu überprüfen. In den USA widmete sich Antheil – eine Parallele zu Kurt Weill – der Komposition von Filmmusik. Daneben schrieb er weiter für den Konzertsaal, allerdings nun in einer gemäßigten Handschrift. An Orchesterwerken, die in den USA uraufgeführt wurden, entstanden unter anderem Capriccio (1934), Archipelago (1935), American Symphony (1937) und die Symphonien Nr. 4 und 5 (1943 bis 1945).
Max Nyffeler

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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