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Die Concerti grossi und die großen Orchesterkonzerte

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t1 Konzertführer
Georg Friedrich Händel
Die Concerti grossi und die großen Orchesterkonzerte

In der Orchestermusik Händels verbinden sich die Eigenheiten des Concerto grosso und der Suite in vielfältiger Weise. Das Konzertieren zwischen Soli und Tutti oder verschieden besetzten Klangkörpern findet sich nicht nur in den Concerti grossi op. 3 und 6, sondern ebenso in den Orchestersuiten wie der Feuerwerks- oder Wassermusik, die man übrigens – folgt man Bachs Sprachgebrauch für seine vier Orchestersuiten – genauso gut Ouvertüren nennen könnte, weil sie jeweils mit einer Ouvertüre eingeleitet werden. Umgekehrt reiht aber Händel in den Concerti grossi op. 3 und 6 oft vier oder sogar sieben und acht Sätze nach Art der Suite aneinander, ohne sich viel um die von Vivaldi für die Spätzeit des Concerto institutionalisierte Dreisätzigkeit zu kümmern (wie Bach das tut). Händel wählt bald die Satzfolge der italienischen Kirchensonate (mit langsam-schnell-langsam-schnell), bald der Suite, mit allerlei Tanztypen, einmal (in Opus 6 Nr. 10) sogar mit einer ‚Ouvertüre‘ als Einleitung. Anders als in Bachs Orchestermusik, aber unter der Signatur der gleichen geschichtlichen Situation, zeigt sich hier in der Verfügbarkeit und Kombination aller Mittel und Muster die historische Schlussapotheose von Concerto und Suite. Damit verlieren aber auch die Gattungsdefinitionen ihre Verbindlichkeit.

Händels ‚klassische‘ Konzertsammlungen sind die Concerti grossi von Opus 3 (HWV 312-317) mit sechs Konzerten und Opus 6 (HWV 319-330) mit zwölf Konzerten. Sie orientieren sich am ehesten am italienischen Vorbild, vor allem an dessen musikalischen Geist, mit den lapidaren Melodiebögen, der großflächigen Harmonik, der zündenden Rhythmik und der dominierenden Streicheridiomatik. Besonders bezeichnend ist das Unisono der Streicher, eine Eigenheit, die nicht Mangel an Erfindung oder polyphoner Potenz verrät, sondern bewusst die spezifische Klangwirkung geballten Glanzes violinistischer Einstimmigkeit anstrebt. Tatsächlich war ja Händel während seines Italien-Aufenthalts, 1706 bis 1710, mit dem ersten Klassiker des Genres, Arcangelo Corelli, persönlich bekannt geworden.

Die Besetzung der 1734 veröffentlichten Concerti op. 3 umfasst Flöte, Oboe, Violine, Viola, Violoncello, Fagott und Basso continuo. Wie die meisten seiner Orgel- und Orchesterkonzerte waren sie als Einlagen für die Aktpausen in seinen Oratorien bestimmt. Ihre Entstehung reicht wahrscheinlich weit in Händels Jugendzeit zurück; zusammengestellt wurden sie dann vermutlich aus Anlass der Heirat des Prinzen von Oranien mit Prinzessin Anna im Jahre 1733. Den englischen Zeitgenossen waren sie schon vorher als Six Concertos for Hoboys and Violins bekannt. Bemerkenswert für den Melodiker Händel ist eine vierstimmige Doppelfuge im dritten Satz, Allegro, des zweiten Concertos in B-dur.

Während in Opus 3 die Dialoge von Soli und Tutti streng getrennt werden, durchdringen sich in den 1739 entstandenen Concerti von op. 6 die Klangkörper, wenn auch nie in dem Maße wie bei Bachs Brandenburgischen Konzerten. Bemerkenswert ist der pastorale Charakter des zweiten Concertos in F-dur mit seiner idyllischen Naturmalerei, die Polonaise im vorletzten Satz des dritten Concertos in e-moll oder die glänzende Fuge im zweiten Satz des vierten Konzerts in a-moll. Sehr bekannt ist die Musette, der dritte Satz aus dem sechsten Konzert in g-moll. Im siebten Konzert in B-dur erscheint eine Hornpipe als letzter Satz: Händels englischer Beitrag zur Reihe der Tanztypen – allerdings in einem Concerto grosso. Die bedeutendsten Concerti der Sammlung sind wohl Nr.11 in A-dur (HWV 329) und Nr.12 in h-moll (HWV 330). Das elfte Konzert, fünfsätzig, glänzt mit phantastischen Einfällen und virtuoser Violinbehandlung, im zwölften Konzert beginnt der zweite Satz recht ungewöhnlich, mit dem Concertino aus zwei Violinen und figuriertem Cello. Die Sätze Nr. 1, 2 und 6 aus dem fünften Konzert in D-dur finden in der Ouvertüre zur Caecilien-Ode Verwendung.

Einige weitere, sehr bedeutende Concerti grossi Händels stehen nicht in Sammlungen: das C-dur-Konzert ‚Alexanderfest‘ (HWV 318) sowie drei Concerti ‚a due cori‘, eines in B-dur (HWV 332) und zwei in F-dur (HWV 333 und 334). Das viersätzige C-dur-Konzert, komponiert 1736, heißt nach seiner Funktion als Einlage in der Ode Alexander 's Feast. Die drei anderen Konzerte beziehen ihre Benennung von der Besetzung, die jeweils zwei Bläserchöre aus Oboen I, II und Fagott (und zusätzlich zwei Hörner im dritten Konzert) mit dem Streicherchor konzertieren lässt. Allerdings sind diese großartigen Konzerte fast vollständig Parodien, das heißt Transkriptionen aus Oratorien Händels, in denen sie übrigens auch als Einlagen Verwendung fanden.
Im Unterschied dazu sind die Orchestersuiten Wassermusik (HWV 348-350) und Feuerwerksmusik (HWV 351) ‚Freiluftmusiken‘. Die Wassermusik in F-dur umfasst eigentlich einen Komplex von drei Suiten mit zusammen 22 Sätzen, die mit drei überlieferten Wasserfahrten des englischen Königs in Zusammenhang stehen. Meist bringt man sie aber in Verbindung mit dem höfischen Fest auf der Themse im Juli 1717. Auch hier konzertieren Concertino und Ripieno; die Besetzung enthält auch Hörner und Trompeten. Die Feuerwerksmusik in D-dur erklang aus Anlass des Friedens von Aachen (27. April 1749), der den österreichischen Erbfolgekrieg beendete. Darauf nimmt besonders der Satz ‚La Paix‘, ein inniges Largo alla Siciliana, Bezug. Auf Wunsch des Königs komponierte Händel die Suite zunächst nur für eine starke Bläserbesetzung (Trompeten, Pauken, Hörner, Oboen, Fagotte und Kontrafagotte). Erst für die zweite Aufführung, ebenfalls 1749, fügte er den Streichersatz hinzu.
Klaus Peter Richter

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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