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Günter Bialas

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Günter Bialas
Günter Bialas

Bielschowitz, 19. Juli 1907 – Glonn, 8. Juli 1995

Der aus Oberschlesien stammende Günter Bialas wurde musikalisch von Reger- und Busoni-Schülern ausgebildet, wandte sich jedoch unter dem Einfluss von Fritz Jöde der Jugendbewegung zu, die ihn nachhaltig prägte und sein Komponieren bis in die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte (Konzert für doppelchöriges Streichorchester und Pauken, Flötenkonzert, Violinkonzert). In der nach dem Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus auch für deutsche Komponisten wieder möglichen Auseinandersetzung mit Atonalität und Zwölftontechnik wandelte Bialas seinen Kompositionsstil. Er gab, wie er selbst gesagt hat, die „vorwiegend konzertante, motorische oder spielerische Art des Komponierens“ auf, ohne allerdings ein überzeugter oder gar orthodoxer Verfechter von Atonalität und Zwölftontechnik zu werden. Bialas‘ Musik gibt den Bezug zur Tonalität – verstanden in einem sehr weiten Sinn – nie auf, und die Verwendung von Reihen geschieht nur ausnahmsweise in einer der Wiener Schule ähnlichen Weise. Viel stärker als durch Atonalität und Zwölftontechnik erscheint Bialas‘ Musik geprägt durch artifizielle Umsetzung archaischer und primitiver Satztechniken, wie sie zum Beispiel im heterophonen Klangsatz afrikanischer Eingeborenenmusik oder im mittelalterlichen Organum vorzufinden sind. Bialas blieb auf diese Weise von allen Schulen und Richtungen unabhängig, war vielleicht aber gerade deshalb nie im modischen Sinn aktuell. Die absolute Musik im strengen Sinn ist in seinem Werk fast nur durch konzertante Werke vertreten. Das Gegen über von Soloinstrument und Orchester scheint Bialas auch nach der Abwendung vom „konzertant-motorisch-spielerischen“ Kompositionsstil stets gefesselt zu haben. So entstanden ein Cellokonzert (1960), ein Konzert für Klarinette und Kammerorchester (1961), eine Musik für Harfe und Streicher (1966), ein als Concerto lirico bezeichnetes Klavierkonzert (1967) und ein Kammerkonzert für Cembalo und 13 Streicher (1973). Symphonien dagegen findet man in Bialas‘ Werk nicht, sieht man von der Sinfonia piccola von 1960 ab, die aber allein schon durch ihren Titel, die kleine Besetzung (drei Bläser und Streicher) sowie die kurze Spieldauer – weniger als eine Viertelstunde – deutlich macht, dass sie mit der großen symphonischen Tradition nichts im Sinn hat. Bialas‘ wichtigste Werke sind gleichsam zwischen absoluter und Programmmusik angesiedelt. Sie bedienen sich häufig assoziationsreicher Werk- und Satzüberschriften – Romanze scheint ein Lieblingstitel von Bialas zu sein –, Titel, mit denen sie auf bestimmte Gattungen und Formen der Musik, aber auch der Literatur anspielen. Das Romanzero betitelte Triptychon von 1956 ist nach Bialas‘ eigener Darstellung eine Auseinandersetzung mit der Lyrik García Lorcas, ohne dass bestimmte Gedichte zugrunde lägen. Ganz konkret auf bestimmte Gedichte Eichendorffs bezogen ist dagegen die Waldmusik, für Orchester und vier Soloinstrumente (1977). Auch hier geht es jedoch nicht um die vordergründige Darstellung des Inhalts, sondern um die musikalische Vermittlung von Haltungen und Gesten. Die Invokationen von 1957 zeichnen die Grundformen des Gebets – ‚invocatio‘, ‚lamentatio‘, ‚laudatio‘ – nach. Ähnlich versteht sich Introitus- Exodus, für Orchester und Orgel (1976), eine Komposition über das uralte Ritual des Auf- und Abtretens, Ein- und Ausgang. In Bialas‘ Werk finden sich schließlich noch zwei Werke, die Musik anderer Komponisten verwenden: die Meyerbeer-Paraphrasen (1970), eine virtuose, paraphrasierend-verfremdende Präsentation von Musik der großen Oper, sowie Der Weg nach Eisenstadt. Haydn-Fantasien für kleines Orchester, (1980), eine Annäherung an Joseph Haydn, ausgehend von der Musik des 20. Jahrhunderts.

Egon Voss

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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