Ernst Theodor Amadeus Hoffmann

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Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann

Königsberg, 24. Januar 1776 – Berlin, 25. Juni 1822

Von der Vielseitigkeit der künstlerischen Begabungen ist E. T.A. Hoffmann am ehesten mit dem etwa gleichaltrigen Carl Maria von Weber vergleich bar, beide beherrschten mehrere Instrumente, verschiedene Zeichen- und Maltechniken, und beide waren schriftstellerisch und musikalisch tätig. Doch was Hoffmann immer angestrebt hatte, gelang nur Weber: Als Musiker sich einen größeren Namen zu machen denn als Dichter. Hoffmann, der seinen dritten Vornamen nach seinem musikalischen Heros Mozart in Amadeus änderte, schrieb zwischen 1799 und 1816 nicht weniger als acht Opern und Singspiele, 23 Bühnenmusiken und Melodramen, mehrere Messen und ein Miserere, eine Symphonie in Es-dur (1805/06) und eine stattliche Anzahl von Liedern, Chören und Kammermusik. Dabei war Hoffmann beileibe kein talentierter Dilettant, sondern ein sorgfältig ausgebildeter Musiker, der nicht nur Geige, Klavier, Gitarre, Harfe und Orgel spielen konnte, sondern er hatte Unterricht bei dem renommierten Königsberger Organisten Christian Wilhelm Podbielski und bei Johann Friedrich Reichardt in Harmonielehre, Generalbass, Kontrapunkt, Kompositions- und Instrumentationslehre erhalten – kurz: eine vollständige, professionelle Musikausbildung. Stilistisch strebt er seinen großen Vorbildern Mozart und Beethoven auf idealer Ebene nach, Einflüsse, vor allem aus Mozarts Opern, sind oft genug zu hören. Und doch ist Hoffmann in seiner Verehrung nicht verblendet, er stimmt seine Töne an, neue, romantischere. Hoffmanns Musik ist nicht von Mozarts dramatischer Gegenwärtigkeit geprägt, auch nicht von der Emphase eines Beethoven, sondern in ihr mischen sich gewissermaßen die Zeiten: Auf der einen Seite klingen hier vorklassische Traditionen an, wie sie beispielsweise auch in den Weber‘schen Symphonien aufgegriffen werden, zum anderen aber blickt Hoffmann nach vorn. Sein musikalisches Ziel ist, die Musik sprechen zu lassen in Stimmung, Atmosphäre, Gefühlen und Erlebnissen. Poesie in Tönen soll auch seine Musik sein.

So setzt Hoffmann denn auf klangliche Illustration, seine Instrumentierungen nicht nur in den dramatischen Werken spiegeln diese Absicht wider, am deutlichsten abzulesen nicht an einem Orchesterstück, sondern an dem c-moll-Quintett für Harfe und Streichquartett. Hoffmanns kompositorische Grenzen zeigen sich wohl weniger in seinen durchdachten, phantasievollen thematischen und motivischen Einfällen, hier entspricht er der Originalität seiner literarischen Vorbilder ‚Kapellmeister Kreisler‘ und ‚Rat Krespel‘, sondern eher in der oft im Konventionellen steckenbleibenden formalen Anlage. Hier setzt er weder seine Kenntnisse der Musik Haydns, Mozarts und Beethovens um noch gelingen ihm neue Ansätze, die Weber, Mendelssohn oder Schumann auszeichnen. Doch sollte dies kein Grund in Musikerkreisen sein, Hoffmann als Orchesterkomponisten notorisch zu ignorieren und sich höchstens seiner Kammermusik sporadisch zu erinnern.

lrmelin Bürgers

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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