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Symphonie Nr.12 d-moll, 1917, op. 112

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t1 Konzertführer
Dimitri Schostakowitsch
Symphonie Nr.12 d-moll, 1917, op. 112

In dieser zu Ehren des XXII. Parteitages der KPdSU entstandenen, am 15. Oktober 1961 unter Kyrill Kondraschin uraufgeführten Symphonie Schostakowitschs wollte selbst sein ihm freundschaftlich verbundener polnischer Biograph Krzysztof Meyer eines seiner schwächsten Werke erblicken; er fand sich hier enttäuscht durch „Banalität, übertriebenes Pathos und Schwülstigkeit“ und, im Vergleich zur Symphonie Nr.11, durch Mangel an „Unmittelbarkeit des Ausdrucks“. Wirklich hat Schostakowitsch hier – namentlich im letzten Satz (Morgenröte der Menschheit) der Partei jenen Tribut an feierlichem Bombast entrichtet, den er ihr in der Neunten verweigerte. Andererseits sieht Meyer in gewisser Weise in ihr eine Fortsetzung der elften Symphonie hinsichtlich der Programmatik ihrer Sätze (die ersten drei lauten: Das revolutionäre Petrograd, Hochwasser und Aurora) – nur, dass er hier keine fremden Themen zitiert.
Dieses Fortsetzungsverhältnis lässt sich dem zwischen den Symphonien Nr. 7 und 8 vergleichen: zunächst eine Symphonie von programmatischem Inhalt und emotionalem Ausdruck – ihr folgend eine Symphonie, die deren Ideen und Stimmungen wohl im großen Bogen, aber auf eine abstraktere Weise aufgreift und neu fasst, im Sinne musikalischer Zergliederung, kontrapunktischer Verarbeitung und motivischer Entwicklung. Dies gilt mindestens für die ersten drei Sätze, die im Grunde in einer sehr dichten Faktur um wenige melodische Modelle kreisen und ‚Etüdenarbeit‘ leisten. Im zweiten Satz sieht Meyer den Einfluss Mahlerscher Adagios; unverkennbar ist in der Symphonie aber auch das Abbild Beethovenscher Melodiegestalten und – neu für Schostakowitsch – Wagnerscher Intonationen, wie sie später in der Symphonie Nr.15 zum sinntragenden Element werden sollten. Die zwölfte Symphonie wurde selten – meist zu offiziellen Anlässen – aufgeführt und wurde wenig populär.
Detlef Gojowy

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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