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Symphonie Nr.11 g-moll, Das Jahr 1905, op.103

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t1 Konzertführer
Dimitri Schostakowitsch
Symphonie Nr.11 g-moll, Das Jahr 1905, op.103

Im Unterschied zur achten bis zehnten Symphonie hat diese, am 30. Oktober 1957 unter Nikolaj Rachlin uraufgeführte Symphonie ein konkret bezeichnetes, programmatisches Subjekt: den ‚Petersburger Blutsonntag‘ am 9.November 1905, als der Zar auf eine unbewaffnete Menge Demonstranten schießen ließ, die unter Anführung des Priesters Gapon eine Bittschrift überreichen wollten. Es hatte über tausend Tote gegeben – anschließend Unruhen und Plünderungen und halbherzige Ansätze zu demokratischen Verfassungsreformen. Diese revolutionäre Situation beschwor Schostakowitsch in den vier Sätzen des Werkes: Der Platz vor dem Palast – Der 9.Januar – Ewiges Angedenken und Sturmläuten – nicht ohne aktuellen Anlass: Der Komposition vorangegangen waren die parallelen Ereignisse des Herbstes 1956, als der Volksaufstand in Ungarn von sowjetischen Truppen niedergeschlagen worden war. Auch hier hatte ein aufbegehrendes Volk schutzlos einer gerüsteten Macht gegen übergestanden – diese geschichtliche Ur-Erfahrung gestaltet Schostakowitsch in einer kaum noch symphonisch-abstrakten Sprache: Grundmaterial einer gestisch-gegenständlichen musikalischen Darstellung (Schostakowitsch Meisterschaft als Filmkomponist ist hier nicht zu verkennen) bilden ein halbes Dutzend traditioneller Revolutionslieder wie Unsterbliche Opfer oder die Warszawianka, Zitate aus seinen eigenen Liedern auf Texte revolutionärer Dichter op. 88 und aus einer Operette Ogonki seines Schülers Georgi Swiridow. (Hiermit knüpfte er auch an die Strukturen seiner dritten Symphonie an, die sich aus solchen ‚Massenliedern‘ entwickelt.) Schostakowitsch vollendete die Symphonie in Nachtarbeit während des Weltjugendfestes im Sommer 1957, bei dem er als musikalischer Juror tätig war; für das Werk erhielt er 1958 den Lenin-Preis. Das war die Zeit, als – unter der Regierung Chruschtschows – die Angriffe gegen ihn verstummten und er durch aktive Teilhabe zumal am kulturpolitischen Geschehen wieder Einfluss zur Besserung der Verhältnisse nehmen zu können glaubte.
Detlef Gojowy

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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