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Vierte Symphonie op. 29 (Das Unauslöschliche)

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t1 Konzertführer
Carl Nielsen
Vierte Symphonie op. 29 (Das Unauslöschliche)

Wie zuvor alle Symphonien, beginnt auch die vierte: Fortissimo, Allegro, Tutti; an Stelle eines ersten Satzes bildet sich eine Sonatenhauptsatzform aus und erst nach dem letzten Formteil wird die Absicht deutlich, alle Sätze ‚attacca‘ anzuschließen, fällt die Entscheidung zugunsten des zweiten Themas als Hauptgedanken der ganzen Symphonie. Was dieses, unter dem aktuellen Eindruck des Kriegs (Uraufführung 1916) synonym für die beständige Urkraft des Lebens Das Unauslöschliche bezeichnete, konzentrierteste Werk Nielsens von anderen unterscheidet, ist die kalkulierte Zerfahrenheit der Satzgebilde: Streichergruppen breiten aus langgedehnten Triolen- und Trillerketten Klangteppiche, dialogische Elemente (zwischen Flöte und Pauke, Celli und Pauke) kommen zum Tragen, Formteile werden durch Einbrüche und Einwürfe im Aufbau zerschlissen. In der großen Partie des klassischen Holzbläsersatzes sind die Streicher zu rhythmischer, klangfärbender Stütze relegiert, ist der Blechbläsersatz mit solistischen Violinen infiltriert, wie sich umgekehrt vorsichtig Holz- und Blechbläser dem Streichersatz beifügen. Oft unvermittelt in einen solchen langgedehnten organischen Aufbau (der Idylle) bricht eine andere, musikalisch schrille Welt (des Marsches) ein, und wer mag entscheiden, ob mit dem ‚Glorioso‘-Schluss der Klangmassen das evolutionäre Prinzip gesiegt hat? Wenn der Satz gegen Ende zu ersterben droht, fahren die Pauken brutal und laut dazwischen, treiben den erschöpften Spiritus rector zur Fortsetzung an; impulsiv und drängend geben sie bis zum Ende den Ton an (zwei Paar Pauken, rechts und links vor dem Orchester aufgestellt, „müssen . . . bis zum Schluss, auch wenn sie piano spielen, einen gewissen drohenden Charakter behalten“). Als diskursiv-epische Methode interpretiert, den Satz durch gestaffelte Polyphonie, Fugato-Technik und Heterophonie des harmonischen Gerüsts zu strukturieren, um damit ein lyrisch-dramatisches Zyklorama zu entwerfen, steht das Verfahren Bruckner wie Mahler nahe.
Norbert Bolin

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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