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Erste Symphonie op. 7

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t1 Konzertführer
Carl Nielsen
Erste Symphonie op. 7

Die in den Jahren 1891/92 entstandene erste Symphonie ist ganz aus der Spannung zwischen Tradition und Progression heraus gestaltet. Dem Eröffnungsakkord des ersten Satzes im Orchestertutti (C-dur) folgt die Vorstellung, im weiteren Verlauf die harmonisch konturierte Entwicklung des Hauptmotivs in g-moll. Dem im ersten Takt exponierten harmonischen Kontrast unterliegt der ganze erste Satz (Andante orgoglioso); das gestalterische Prinzip einer an Brahms erinnernden kontrapunktischen Gewandheit und abrupte Zäsuren zwischen formbildenden Abschnitten entrücken den Kopfsatz einer allzu eindeutigen romantischen Atmosphäre. Eine einfache, aus sich selbst heraus erneuerte, den ganzen Satz überspannende Melodie im Sechsachteltakt, prägt den zweiten Satz (Andante). Gegenüber traditionsverbundenen Instrumentalkombinationen vermeiden progressive Elemente wie reiche Chromatik der Mittelstimmen, alterierte Harmonik und häufige Unisonowendungen einen sentimentalen Anstrich dieser im Ausdruck unendlicher Weite einzigartigen romantischen Reminiszenz, die überdeutlich in der Schlussbildung (Quart-Aufstiege im liegenden Akkord) dem Zeitgenossen Jean Sibelius Reverenz erweist. Für die progressive Tendenz des Werkes bürgt der dritte Satz (Allegro comodo), ein in der Aufgabe rhythmischer Eindeutigkeit (Vierviertelmotivik im Sechsvierteltakt) und mit Moll-Eintrübungen zu dramatischer Wirkung gesteigertes Scherzo. Nielsens persönlichem Gusto entspricht hier die Ebene der Reflexion, indem die konstituierende Motivik (jeweils als Andante sostenuto zeitlich gedehnt, harmonisch bereichert und choralartig) unter einer akustischen Lupe betrachtet in nur einer Instrumentalgruppe gespreizt erklingt, ein Verfahren, das – als Zeitkomposition apostrophiert – ein frühes Exemplar kompositorischer Gestaltung darstellt, wie es erst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Blick gekommen ist.
Reminiszenzen an vorangegangene Sätze prägen beim Hörer, nicht zuletzt auch in der Beibehaltung des Prinzips harmonischer Flexion, einen deutlichen Finaleffekt für den letzten Satz aus (Allegro con fuoco).
Norbert Bolin

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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