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Divertimento für Streichorchester

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t1 Konzertführer
Béla Bartók
Divertimento für Streichorchester

Bartók komponierte sein letztes vor der Emigration in die Vereinigten Staaten in Europa fertiggestelltes und uraufgeführtes Werk im Auftrag Paul Sachers. Der leitete die Uraufführung mit seinem Basler Kammerorchester im Juni 1940 in Basel. Entstanden ist das für je sechs erste und zweite Violinen, vier Bratschen, vier Violoncelli und zwei Kontrabässe konzipierte Divertimento zwischen dem 2. und 17. August 1939 in Saanen, wo Bartók Sachers Ferienhaus im Berner Oberland bewohnte. Ähnlich wie in der Cantata profana lehnt sich Bartók im Divertimento an barocke Formmuster an. So hat er selbst gegenüber dem Auftraggeber von der „Idee eines Concerto grosso“ gesprochen und den tradierten Wechsel von Concertino und Ripieno virtuos angewandt. Das gilt für die beiden Ecksätze des dreisätzigen, knapp fünfundzwanzig Minuten dauernden Werkes. Im Kopfsatz (Allegro non troppo) lassen sich aber auch Bestandteile des Sonatenhauptsatzes ausmachen: Dualismus der Themen, Exposition, Durchführung und Reprise. Verwoben mit diesen klassizistischen Momenten ist Bartóks ureigene Anverwandlung heimatlicher Volkskunst: die kirchentonharmonische Melodie des Kopfthemas, der nach Art der rumänischen Hora rhythmisierte Seitensatz mit seiner romantischen Terzenseligkeit. Dieser Idyllik stellt sich immer wieder eine rhythmische Querläufigkeit entgegen, die Harmonie mündet jeweils in eine Dissonanz, ein Spannungsfeld baut sich unterhalb der Oberfläche auf. Im Mittelsatz (Molto adagio) erhebt sich über dem gedämpften Streicherklang ein eindringlicher Klagegesang: eine von Bartóks unvergesslichen Nachtmelodien. Sie versinkt im Nichts, über dumpfen Bassostinati steigen die ersten Violinen mit schneidenden Quintklängen in ein verzerrtes Trillerfeld. Es ist eine Vision unheilvoll drohender Schärfe: ein Klangblick voraus in die Greuelwelt des Zweiten Weltkriegs. Der helle Schlusssatz (Allegro assai) begehrt dagegen auf: Es ist ein schwungvoller Tanz als weltliches Gebet um die Vermeidung allen Krieges.
Ulrich Schreiber

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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