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Symphonie Nr. 7 d-moll op. 70

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t1 Konzertführer
Antonín Dvořák
Symphonie Nr. 7 d-moll op. 70

Strahlt die D-dur-Symphonie Optimismus, Kraft und Lebensfreude aus, so erscheint die im Winter 1884/ 85 im Auftrag der Londoner Philharmonischen Gesellschaft geschriebene Siebente als deren tragisch-pathetisches Gegenstück. Mit Ausnahme des langsamen Satzes enthält dieses Werk kaum freundliche, helle Momente; die Seitenthemen der Ecksätze erhalten geringen Entfaltungsspielraum. Die 1883 entstandene dritte Symphonie von Brahms hat hier deutliche Spuren hinterlassen, doch sind es gerade nicht deren resignative Züge, sondern das dämonische Finale, dessen Tonfall Dvořák aufgreift. Die Affinität zur Volksmusik tritt ganz in den Hintergrund: Selbst das Scherzo, das als stilisierter Tanz anhebt, ist mit seinen Synkopen und teilweise geradezu ‚knirschenden‘ Figuren sowie der oft schneidend scharfen Instrumentation seltsam widerborstig. Vollends ein Abbild unbeugsamen Trotzes ist das kämpferische Finale, dessen Hauptthema mit seinem Oktavsprung ohne jede Einleitung den Satz eröffnet. Die für den Dvořák‘schen Orchestersatz sonst typische ‚runde‘ Klangfarbe fehlt in diesem Werk beinahe gänzlich; strukturelle Deutlichkeit der Linienführung lässt den Komponisten sogar auf die Tuba verzichten, was den Blechbläserklang merklich abkühlt. Geistiger Hintergrund dieser an Dramatik so reichen Partitur sind sowohl die ständigen Kämpfe Dvořáks mit seinem Verleger (der gehaltvolle Werke aus kommerziellen Gründen meist nicht akzeptieren wollte) wie auch die Offerte der Wiener Hofoper, ein musikdramatisches Werk Dvořáks herauszubringen, vorausgesetzt, es sei auf einen deutschsprachigen Text komponiert. Der Komponist, wiewohl bestrebt, sich aus politischen Tagesfragen herauszuhalten und ein Feind allen lntrigantentums, empfand dieses Angebot als Verführung zum Verrat an Heimat und Menschen; er reagierte – sehr charakteristisch und seiner besonderen schöpferischen Qualitäten eingedenk – als Symphoniker mit einem Werk, das „fähig war, die Welt zu bewegen“ und zu den besten der Gattung überhaupt gehört.
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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