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Rhapsodien, Variationen, Scherzo

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t1 Konzertführer
Antonín Dvořák
Rhapsodien, Variationen, Scherzo

Zu den während der Auseinandersetzung mit Wagner und der Neudeutschen Schule geschriebenen Werken gehört die Rhapsodie in a-moll op. 15, ein Werk, dessen heroische Ausdruckssphäre wie formale Anlage an die letzte der symphonischen Dichtungen des Jahres 1897 denken lässt; mit dieser teilt die 1874 geschriebene Rhapsodie bis heute das Schicksal, im Musikbetrieb übergangen zu werden.
Von den drei Slavischen Rhapsodien op. 45 /1-3 ist nur die erste (D-dur) häufiger zu hören. Die 1878 geschriebenen Werke haben sämtlich Rondoform, die jedoch in jeder Rhapsodie im Detail anders gebaut ist. Kann die Haltung der ersten mit dem Begriff ‚idyllisch‘ beschrieben werden, so schlägt die Nr. 2 (g-moll) leidenschaftliche Töne an. Die dritte (As-dur) verrät spürbare Affinität zur Klangwelt von Smetanas Vyšehrad, an den nicht nur die einleitenden Harfenakkorde gemahnen; ihre Uraufführung fand in einem Konzert der Berliner Hofkapelle statt, und sie war das erste Orchesterwerk Dvořáks, das Hans Richter in Wien dirigierte.

Fallen die Rhapsodien noch in die ‚Slavische Periode‘ von Dvořáks Schaffen, so ist das einzelne Scherzo capriccioso op. 66 ein direkter Vorbote der siebten Symphonie, deren Leidenschaft und Trotz hier schon anklingen. Der für sich stehende Satz hat symphonische Dimensionen, verlangt eine Besetzung ungewöhnlicher Größe (bis auf Fagotte dreifache Holzbläser, Harfe und Schlagzeug) und vereinigt Element der Sonatenform mit der üblichen dreiteiligen Scherzo-Anlage. Das als wiegender Walzer angelegte Seitenthema, das immer wieder von dem ungestüm dazwischenfahrenden Hauptgedanken unterbrochen wird, lässt schon durch seine Harmonisierung keine Ruhe aufkommen.

Noch vor den Slavischen Rhapsodien waren 1877 die Symphonischen Variationen über ein Originalthema op. 78 entstanden (die Werkzahl war ursprünglich 24, wurde dann vom Verleger aus kommerziellen Gründen geändert). Die Ansicht, musikalische Einfälle könne sich ein Komponist erst durch ‚Arbeit‘, das heißt deren Verarbeitung, legitim erwerben (Dvořák teilte diese Ansicht mit Brahms), wie auch die meisterlichen Variationskünste seines damaligen Mentors Brahms ließen den Böhmen auch in dieser Gattung Bewährung suchen. Er wählte die C-dur-Melodie aus einem seiner Männerchöre, durchsetzt mit charakteristischen chromatischen Schritten und von unregelmäßiger Periodizität (22 Takte) als Themen; dessen Linie wird bald immer stärkeren melodischen und rhythmischen Veränderungen unterworfen, von der achtzehnten Variation ab ändert sich auch die Tonalität (zu D- und B-dur, b-moll und Ges-dur) kehrt erst in der vorletzten 27. Variation zur Ausgangstonart zurück. Die gestalterische Phantasie des Komponisten brachte hier ihr erstes Meisterwerk der Orchestermusik hervor.
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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