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t1 Konzertführer
Antonín Dvořák
Konzerte

Nach dem frühen, nur in einer Klavierfassung erhaltenen Versuch eines Violoncellokonzerts (A-dur, 1865), setzte sich Dvořák erstmals 1876 mit der konzertanten Gattung auseinander. Das Klavierkonzert op. 33 (g-moll) steht bis heute im Schatten der beiden Streicherkonzerte; gewiss war der Komponist kein Klaviervirtuose wie die meisten Schöpfer von Klavierkonzerten im 19. Jahrhundert. Es wäre indessen fahrlässig, die mangelnde Brillanz des Soloparts zur Grundlage einer Abwertung dieser primär symphonischen Komposition zu machen. Die eindeutig symphonische Konzeption des Kopfsatzes, der eine der längsten Durchführungen von Dvořáks gesamtem Schaffen enthält, rückt das Werk strukturell in die Nähe des d-moll-Konzerts von Brahms. Voll Anmut und Poesie ist das Andante, dem ein Finale vom Charakter eines humorvollen, im Hauptthema ein wenig derben Capriccios folgt. Das Klavier ist durchweg als Dialogpartner des Orchesters behandelt.
Mit dem 1879 geschriebenen, 1880 und 1882 jeweils überarbeiteten Violinkonzert op. 53 (a-moll) betrat der vom Streichinstrument kommende Dvořák Bahnen, in denen er sich ungleich sicherer fühlen konnte als beim Klavierkonzert, zumal die inzwischen gewonnene stilistische Reife dem späteren Werk zugutekam. Das Ringen um die endgültige Gestaltung ist dieser Komposition ebenso wenig anzumerken wie dem Violinkonzert Mendelssohns; Lied (in den beiden ersten Sätzen) und Tanz (im Finale) bestimmen die Empfindungswelt des Werkes, für dessen Form der Komponist ganz individuelle Lösungen fand. Er entwickelt die formalen Experimente Spohrs und Mendelssohns weiter, lässt in dem sonatenförmigen Kopfsatz nach der Durchführung statt der Reprise eine kurze Überleitung folgen, die nahtlos in das Adagio mündet. Das Finale ist ein feuriger Furiant, in dessen Mittelteil eine Dumka eingebaut ist; klingt diese zunächst – ihrem Wesen gemäß – melancholisch, so wird sie in der Stretta-Coda vom Temperament des Hauptthemas mitgerissen.

Das Violoncellokonzert op. 104 (h-moll) entstand im Winter 1894/95 als letztes Orchesterwerk Dvořáks während seines Amerika-Aufenthalts. Im Vergleich zu der nach neuen Bahnen suchenden und Anregungen aufnehmenden e-moll-Symphonie wirkt dieses Konzert eher als Bekenntnis von Sehnsucht nach der Heimat. Formal wieder der konservativen Dreisätzigkeit verpflichtet, verlangt die Partitur eine starke symphonische Blechbläsergruppe (mit übrigens nur drei Hörnern), die ihren Teil zu dem sehr runden, vollen Klang beiträgt. Die selbst für Dvořák ungewöhnliche Ausdruckstiefe des Adagios mit seinem überschatteten Mittelteil ist ein Reflex auf die schwere Erkrankung der Schwägerin des Komponisten, die dieser in jungen Jahren sehr verehrt hatte; sie starb kurz nach der Vollendung des Konzerts, woraufhin Dvořák dem Schluss des Finales die jetzige Fassung gab: An Stelle einer konventionellen Kadenz folgt dem kraftvollen Satz ein zarter, wehmütiger Epilog mit Zitaten einzelner Themen – ein Nachruf in Tönen –, ehe das Soloinstrument das Orchester zu der kurzen Schluss-Stretta mitreißen kann.
Hartmut Becker

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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