Albert Roussel

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Albert Roussel
Albert Roussel

Tourcoing, 5. April 1869 – Royan, 23. August 1937

Erst als 25jähriger hatte Albert Roussel zur Musik gefunden. Diese späte Karriere scheint ihn vor dem so gefährlichen Gift des ‚wagnérisme‘ bewahrt zu haben, dem er als Schüler D‘Indys an der Pariser Schola Cantorum eigentlich hätte verfallen müssen; nur in der symphonischen Dichtung op. 4 nach Tolstois Auferstehung oder der ersten Symphonie finden sich Tristan-Nachklänge. (Von 1902 bis 1913 unterrichtete Roussel selbst an der Schola Cantorum, wo unter anderem Satie, Varèse, Martinon und Martinū zu seinen Studenten zählten.) Die mittlere Schaffensphase Roussels – vom symphonischen Triptychon Evocations über die Ballett-Oper Padmȃvȃtî op.18 bis zur zweiten Symphonie – steht ganz im Zeichen fernöstlicher Einflüsse, die der Komponist auf mehreren Reisen aufgenommen hatte. Mit der Suite en fa op. 33 wendet sich Roussel vom Genre der deskriptiven, wenn man so will ‚impressionistischen‘ Musik ab: „Ich strebe danach, in meinem Denken jegliche Erinnerung an Gegenstände und Formen auszulöschen, die den Verdacht erwecken könnten, in musikalische Effekte verwandelt zu werden.“ Dieses Bekenntnis zur absoluten Musik äußert sich ebenso in der Bartók, Prokofjew und Strawinsky nahestehenden Motorik des Klavierkonzerts und der dritten Symphonie wie in manchen neoklassizistischen Wendungen der Petite Suite, der Sinfonietta oder des Cello-Concertinos. Mit dem Ballett Bacchus et Ariane, deren beide Akte der Komponist als erste und zweite Orchestersuite auch für den Konzertsaal einrichtete, und mit der kraftvollen vierten Symphonie erreicht das Orchesterwerk Roussels seinen Höhepunkt: ein absolut eigenständiger Personalstil, der neben der ‚Groupe des Six‘ und dem Oeuvre Ravels größte Beachtung verdient.

Michael Stegemann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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