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Musikgeschichten: 26. September (1922)

„Zum Teufel mit dem Alter!“: Faurés Klaviertrio

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Kornelia Bittmann
Kornelia Bittmann
26.09.2019

Welch ein Glück, dass Gabriel Fauré neben seiner Lebensgefährtin auch noch eine Ehefrau hatte, mit der er sich gut verstand. Auf diese Weise sind uns etliche Briefe erhalten geblieben, die seinen Arbeitsprozess, seine Höhen und Tiefen dokumentieren – mal an Marie Fauré, mal an die Pianistin Marguerite Hasselmans, wenn sie mal nicht in Faurés Nähe war.

„Zum Teufel mit dem Alter!“, schreibt Monsieur an Madame Fauré im Februar 1922. Er ist 76 Jahre alt, wird von einem Augenleiden und fortschreitender Taubheit geplagt – und langweilt sich, denn eigentlich will er komponieren, nur fällt ihm nichts ein.

Gabriel Faure

Gabriel Fauré, Fotografie von Nadar (1905)

(Foto: Public Domain)

Doch schon einige Monate später kommt der kreative Prozess wieder in Gang, und am 26. September kann Fauré seiner Frau berichten:

»Ich habe ein Trio für Klarinette (oder Violine), Violoncello und Klavier in Angriff genommen. Ein wichtiger Teil dieses Trios, das ich hier vor einem Monat begonnen habe, ist fertig.«

Der Verleger Durant hatte das Trio angeregt – ausdrücklich mit Violine. Die Klarinette war also Faurés eigene Idee, in der Druckausgabe ist davon keine Rede mehr. In einer Frühfassung des Schlusssatzes allerdings geistert die Klarinette noch umher; manche Töne liegen unterhalb des Geigen-Ambitus. Natürlich lassen sich heutige Klarinettisten dieses kammermusikalische Juwel nicht entgehen. Seine Klangfarbe reiht sich ein in eine Tradition, die von Mozarts Kegelstatt-Trio zu Schumanns Märchenerzählungen führt und mit den Brahms-Trios noch längst nicht beendet ist.

Der „wichtige Teil“, von dem Fauré spricht, ist der langsame Mittelsatz, entstanden im August und September in Annecy in Savoyen, wohin sich Fauré zurückgezogen hatte – mit Marguerite.

Der langsame Mittelsatz.

Am 12. Mai 1923, Faurés Geburtstag, wird das Klaviertrio in Paris uraufgeführt. Weil der Meister selbst nicht dabei sein kann, gibt es wenig später eine zweite Aufführung, diesmal mit der All-Star-Besetzung Alfred Cortot, Jacques Thibaud und Pablo Casals. „Wenn er hundert wird, wie weit wird er noch gehen?“, fragen seine Freunde nach der denkwürdigen Vorstellung.

Hundert ist er nicht geworden. Im November 1924 stirbt Fauré 79-jährig in Paris. Das Klaviertrio ist sein vorletztes Werk, nur noch gefolgt von einem Streichquartett. Ein Schwanengesang also – und als solcher mit dem fahlen Timbre der Klarinette glänzend besetzt. ¶

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