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Musikgeschichten: 13. September (1819)

Virtuosin, Komponistin, Pädagogin: Clara Schumann

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Bennet Seiger
Bennet Seiger
13.09.2019

Zum 200. Clara-Schumann-Jubiläum häufen sich Konzeptalben mit ihren Kompositionen, neue Biographien, Zeitungsartikel, Huldigungen. Dennoch – auf den Konzertprogrammen vermisst man ihre Kompositionen, und nach dem Jubiläum wird es wieder still werden um eine der großen und noch immer eher seltenen Komponistinnen. Dass der Klassikbetrieb eine Männerdomäne ist, bleibt eine unumgängliche Wahrheit – und auch wenn viele Menschen von der Feminismus-Debatte arg genervt sind, ist dieser Anlass ein guter Moment, um sich ihr zu stellen. In den 200 Jahren Clara Schumann hat sich die Lesart ihrer Biographie gewandelt. Wir wissen viel über ihr Leben, vor allem Dank ihres berühmten Gatten Robert Schumann, mit dem sie ein gemeinsames Tagebuch führte. Doch das Schicksal bleibt: Sie wird noch heute zuallererst als Komponistengattin erkannt, an zweiter Stelle noch als Klaviervirtuosin erwähnt, nur mit viel Fachwissen folgt auf den hinteren Plätzen ihre Komponistinnen-Rolle.

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Clara kurz vor ihrer Hochzeit mit Robert

Auch auf takt1 gibt es eine Reihe von Musikgeschichten aus dem Schumann’schen Eheleben, beginnend mit der Hochzeit im Jahr 1840, die gegen den Willen von Claras Vater und gegen viele andere Widerstände geschlossen wurde. Es folgt die gemeinsame Konzertreise nach Russland, bei der Robert Schumann zu seinem Verdruss allenfalls als Claras Anhang wahrgenommen wurde, ein Brief von Robert Schumann an Clara, in dem er sich versichert, dass sie nicht nur Klavier spielen, sondern auch kochen kann, ein Bericht über Weihnachten 1841 und 1851 bei den Schumanns und schließlich Roberts tragischer Tod, der jedoch gleichzeitig für Clara auch neue, künstlerische Türen öffnete.

Was gibt es also noch zu erzählen? Vielleicht einen Blick auf ihr Wirken abseits der Ehe. Natürlich ist vieles gefärbt von historischer Darstellung oder zeitgenössischen Interpretationen. So wird ihr Vater Friedrich Wieck gerne als Drill-Meister dargestellt, der seine Tochter als Wunderkind erbarmungslos durch Salons trieb. Clara empfand ihren Vater als streng, doch sah die Sache selbst differenzierter:

»Die Leute würden ihn freilich einen Tyrannen nennen, wie es mein Vater sich gefallen lassen mußte, – ich danke es ihm aber noch täglich; die Frische, die mir bis in’s hohe Alter geblieben ist, (in der Kunst wenigstens) dies danke ich ihm!«

Sicher ist – Clara wollte einen Spagat schaffen. Sie sah sich selbst zwar als Ehefrau Roberts, dennoch wollte sie ihre künstlerische Laufbahn niemals aufgeben, darin hatte sie ihr Vater immer unterstützt. Zu damaligen Zeit ungemein feministisch, wenn auch in der Realität oftmals eher frustrierend. Robert sah es nicht gern, wenn sie konzertierte, sie musste auch ihr Klavierüben stark einschränken, da es ihn beim Komponieren störte. Als Komponistin jedoch sah Robert Clara zeitlebens auf Augenhöhe:

»Wir geben dann auch Manches unter unseren beiden Namen heraus, die Nachwelt soll uns ganz wie ein Herz und eine Seele betrachten und nicht erfahren, was von dir, was von mir ist.«

Die erste Romanze aus op. 11, geschrieben von Clara Schumann in der Verlobungszeit mit Robert Schumann.

Robert blieb ihr Angelpunkt. Als er in die Nervenheilanstalt eingewiesen wurde, nahm sie das Konzertieren wieder auf. Doch es war mehr als eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme: Sie wollte auch künstlerisch endlich selbstbestimmt sein. Ein Befreiungsschlag. Nach Roberts Tod gab sie das Komponieren fast vollständig auf, das Konzertieren jedoch blieb. Von 1856 bis 1891 folgte eine zweite Pianistinnenkarriere. Sie war noch immer gefragt, geliebt, bewundert. Das genoss sie. Doch Robert hat sie ihr restliches Leben lang vermisst, darin blieb sie dem Zeitgeist treu. ¶

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