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Musikgeschichten: 14. Dezember (1789)

Selfmadewoman: Maria Szymanowska-Wołowska

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Kornelia Bittmann
Kornelia Bittmann
14.12.2019

Schon mal was von Maria Szymanowska-Wołowska gehört? Nein? Kein Wunder. Denn sie gehört zu den vielen Komponistinnen, die allenfalls als Ausnahme von der Regel hochgehalten werden, dass Komponisten normalerweise männlich sind. Am 14. Dezember 1789 kommt sie als Marianna Agata Wołowska in Warschau zur Welt. In ihrer Familie gibt es keine Musiker, und der Gutsbesitzer, den sie mit 20 heiratet, steht ihrem Klavierspiel und Komponieren feindselig gegenüber. Nach zehn Jahren wird die Ehe geschieden. Maria soll die erste Frau gewesen sein, die ihren Lebensunterhalt nur durch Musik verdienen konnte – so berichtet es die Datenbank Musik und Gender. Sie bringt die drei Kinder durch, komponiert und konzertiert: Erst in Warschau, dann in Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz, Italien und Russland. 1823 begegnet sie im böhmischen Kurort Marienbad Johann Wolfgang von Goethe:

»Madame Szymanowska, ein weiblicher Hummel mit der leichten polnischen Facilität, hat mir diese letzten Tage höchst erfreulich gemacht; hinter der polnischen Liebenswürdigkeit stand das größte Talent gleichsam nur als Folie oder, wenn du willst, umgekehrt. Das Talent würde einen erdrücken, wenn es ihre Anmut nicht verzeilich machte.«

Szymanowska

Maria Szymanowska-Wołowska am Klavier.

(Foto: Public Domain)

Weibliches Talent erdrückt? Zehn Taler in die Chauvi-Kasse, Herr Geheimrat! Maria wiederum soll für den 74-Jährigen entbrannt sein – vielleicht ist die Phantasie mit dessen Freund Zelter aber auch durchgegangen:

»Sie ist rasend in dich verliebt und hat Dir hundert Küsse auf meinen Mund gegeben.«

Weiblicher Chopin? Oder vielleicht: Vorbild für die „männliche Szymanowska“?

Zurück zur Musik. Mit 13 beginnt Maria zu komponieren. Sie hat denselben Klavierlehrer wie später Frédéric Chopin, ihre Nocturnes, Mazurken und Polonaisen entstehen bis zu zehn Jahre vor seinen. In Sankt Petersburg gibt sie der Zarenfamilie Klavierunterricht und unterhält einen Salon, in dem sie die neuesten Werke polnischer und russischer Komponisten vorstellt. Als Chopin im Herbst 1831 als vollkommen Unbekannter in Paris eintrifft, ist Maria Szymanowska-Wołowska gerade der großen Cholera-Epidemie in Sankt Petersburg zum Opfer gefallen – mit nur 41 Jahren. ¶

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