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Musikgeschichten: 20. Mai (1914)

Saties Mini-Gesamtkunstwerk: Sports et Divertissements

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Kornelia Bittmann
Kornelia Bittmann
20.05.2018

Eigentlich hätte der Auftrag an Igor Strawinsky gehen sollen: Zu einem Künstlerbuch aus der Edition des Modeverlegers Lucien Vogel brauchte man zwanzig kurze Musikstücke – eine klingende Illustration. Das Buch selber zeigte eine Serie von Kupferstichen mit Freizeitbeschäftigungen, die damals en vogue waren. Strawinsky fand das Honorar zu niedrig, Satie (dem weniger angeboten wurde) sagte zu, und lieferte sogar noch mehr als vereinbart: Er schrieb nicht nur zu jedem Bild ein kurzes Klavierstück, sondern verfasste dazu auch noch ein surrealistisches Gedicht. Dabei arrangierte er Musik und Text so kunstvoll-kalligraphisch auf dem Notenblatt, dass hier ein eigenes Genre entstanden ist.

Houghton Typ 915.14.7700 Eric Satie Sports divertisements Yachting 16 9
Das kalligraphische Notenblatt zu "Le Yachting" aus den "Sports et Divertissements"

Und was beschäftigt die gut gekleideten Protagonisten im Buch von Martins Vignetten? Jagen und Fischen, Yacht fahren, Tennis und Golf, aber auch ein Bad im Meer, Picknick, Tango und Flirt. Mit gewohntem Understatement spielt Erik Satie den Kunstanspruch seines Werks herunter:

»Ich empfehle, diesen Band mit freundlicher und vergnügter Hand zu durchblättern, da es sich um ein Werk der Phantasie handelt. Man sollte nichts anderes darin sehen.«

Damit erteilt Satie schon im Voraus allen Versuchen eine Absage, Sports et Divertissements als Multimedia-Show mit Diaeinblendungen und Gedichtvortrag aufzuführen. Es handelt sich vielmehr um eine Art Augenmusik, oder – wie der Satie-Forscher Steven Moore Whiting betont – um „mentales Multimedia“.

Vorangestellt hat Satie dieser Kollektion des schönen Lebens einen unappetitlichen Choral, Ausdruck seiner ironisch-dadaistischen Haltung gegenüber dem Musikbetrieb: "Für die Gekrümmten und Verdummten habe ich einen ernsten, anständigen Choral geschrieben. Dieser Choral ist eine Art bissige Vorrede, eine Art strenge und züchtige Einleitung. Da habe ich alles hineingepackt, was ich über die Langeweile weiß. Dieser Choral sei jenen gewidmet, die mich nicht mögen."

Veröffentlicht wurde Sports et Divertissements erst 1923. Da passten die Jugendstil-Stiche von vor dem Krieg nicht mehr, sie wurden durch kubistischere Blätter ersetzt. Saties Musik, seine Gedichte und Kalligraphien blieben unverändert.

Le golf Charles Martin Eric Satie
Illustration von Charles Martin: Le Golf (1922)

Das letzte Stück, das Satie als Teil des Zyklus fertigstellte, ist Le Golf. Es erzählt von einem Colonel in knallgrünem Tweed, vor dem die Löcher des Golfplatzes erzittern und über den die Wolken staunen. Der Anfang ähnelt dem Broadway-Hit Tea for Two, der erst 1925 entstand. (!) Am 20. Mai 1914 hat Satie diese Miniatur beendet – wenige Wochen, bevor die Colonels des Kontinents für anderes ran mussten als fürs Golfspielen. ¶

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