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Musikgeschichten: 19. Dezember (1967)

Rebecca Saunders: Neue Musik ist neues Hören

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Lisa Günster
Lisa Günster
19.12.2019

Was Rebecca Saunders über ihre Werke und den Stellenwert von Musik zu sagen hat, ist so viel spannender, als ihre diversen Erfolge und Preise aufzulisten. Einige Eckdaten trotzdem vorneweg: Geboren am 19. Dezember 1967 in London ging Saunders nach einem Violin- und Kompositionsstudium in Edinburgh nach Deutschland, um beim damals schon weltberühmten Komponisten zeitgenössischer Musik Wolfgang Rihm zu studieren. Seitdem lebt sie in Deutschland und komponiert selbst; zum Beispiel regelmäßig für renommierte Neue-Musik-Interpreten wie das Ensemble Resonanz oder das Ensemble Modern. Trotz ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit mit etablierten Künstlern richtet sich Ihr Verständnis, was zeitgenössische Musik ausmacht, nicht auf notwendige Starpower, sondern auf ein neues Hören.

»Kein Klang, den ich entdecke, ist neu. Das ist wesentlich. (...) Helmut Lachenmann hat einmal gesagt: Es gibt keine neue Musik, es gibt eine neue Art zu hören. Wir Komponisten machen Klänge erneut hörbar.«

Rebecca Saunders

Rebecca Saunders.

(Foto: Astrid Ackermann)

Diese Überzeugung scheint anzukommen, denn Saunders‘ Werke sind Publikumslieblinge. 2019 wurde ihr der bedeutsame Ernst von Siemens Musikpreis verliehen, in den Jahren zuvor war sie aber auch bereits preisgekrönt: dreimal wurde sie mit dem British Composer Award ausgezeichnet, auch bekam sie den Mauricio-Kagel-Musikpreis.

Schrilles Vibrato, Flatterzunge, Elektro: In Skin verschwimmen Trompete und Vokalstimme

Saunders setzt gerne plötzliche, vollkommene Stille in ihren Werken ein, um danach den Klang umso brachialer wieder eintreten zu lassen. Changierende Laute, Geräusche, Flageolett-Töne, sogar das Ausatmen wird zum Klangelement der Komposition. Im vielbeachteten Kontrabass-Werk Fury lässt Saunders das tiefe Instrument hohe Lagen testen, und der Bogen wird zum Percussion-Instrument.

Saunders findet, Neue Musik habe einen berechtigten Platz in Konzertprogrammen, ja in der öffentlichen Wahrnehmung insgesamt verdient. Am besten platziert sei Neue Musik in gemischten Programmen, zusammen mit dem bekannten Repertoire der klassischen Musik, damit Unterschiede und Gemeinsamkeiten besonders hörbar würden. Die Konzertsituation sei überhaupt besonders wertvoll, so Saunders:

»Wer Musik hört, muss die Ohren öffnen und sich selbst. Ein körperlicher, geistiger, emotionaler und intellektueller Impuls wird gesetzt, was für ein Geschenk! In einem geschützten Raum mit anderen zusammen nur man selbst sein zu dürfen! Wo gibt es das noch?«

Saunders fühlt sich von der Großstadt inspiriert, vom Gewühle, der Abwechslung, der stetigen Bewegung und den verschiedensten Geräuschen. Wenn ihr ein Klanggedanke kommt, sei es einfach, eine Komposition zu beginnen: In einem kleinen Zimmer mit viel Licht beginnt Saunders mit der Arbeit, anscheinend ohne große Anstrengung und mit einem beneidenswerten Arbeitsethos:

»Ich kann immer arbeiten. Ich setze mich hin und ich arbeite.« ¶

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