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Musikgeschichten: 9. April (1939)

Marian Andersons größtes Konzert

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Monika Beer
Monika Beer
09.04.2018

In der langen Laufbahn der Altistin Marian Anderson gab es viele demütigende, aber auch einige denkwürdige Tage, die alle mit ihrer Hautfarbe zu tun hatten. Dass die 1897 in Philadelphia geborene afroamerikanischen Sängerin fast ihr Leben lang unter dem nicht nur damals gängigen Rassismus zu leiden hatte, liegt auf der Hand. In ihrer 1956 erschienenen Autobiographie My Lord, What a Morning beschreibt sie nicht nur die ständigen Diskriminierungen während ihrer Tourneen in Reisezügen, Hotels und Restaurants. Als die Dreizehnjährige sich in ihrer Heimatstadt bei einer Musikschule anmelden wollte, schaute die junge Frau, die die Antragsformulare vergab, einfach an Marian vorbei und rief die nächste auf, bis sonst niemand mehr da war und sagte kühl: „Wir nehmen keine Farbigen auf.“ Der Schock war groß:

»Es war, als hätte sich eine kalte, grausame Hand auf mich gelegt. Ich drehte mich um und lief davon. Das war meine erste Begegnung mit der schonungslosen, brutalen Welt, und diese Musikschule war der letzte Ort, wo ich so etwas vermutet hätte. Meine Haut war zwar anders, aber doch nicht meine Gefühle.«

Marian Anderson

Marian Anderson

(Foto: Public Domain)

Die in Kirchenchören groß gewordene Sängerin, die später über sich selber sagen sollte, dass sie sich nicht „für den Nahkampf geschaffen“ sei, machte dennoch ihren Weg. Sie war jeweils die erste schwarze Sängerin, die 1923 den Gesangswettbewerb der Philharmonischen Gesellschaft Philadelphia und 1925 einen ungleich größeren der New Yorker Philharmoniker gewann. Nach ersten Konzertauftritten in den USA ging sie mehrfach nach Europa, war vor allem in den skandinavischen Ländern erfolgreich, lernte Jean Sibelius kennen und schätzen und beeindruckte in Salzburg Arturo Toscanini so sehr, dass er sich zu folgender Feststellung hinreißen ließ:

»Sie haben eine Stimme, wie es sie in hundert Jahren nur einmal gibt.«

“Nobody knows the trouble I see”, gesungen von Marian Anderson

Gegen den Rassismus in ihrer Heimat half das wenig. Als sie 1939 endlich auch in der Constitution Hall von Washington singen sollte, verweigerte ihr der Verein Daughters of the American Revolution, dem der Saal gehörte, den Zutritt. Was Folgen haben sollte. Eleanor Roosevelt, die Frau des amerikanischen Präsidenten, trat aus dem Verein aus und viele folgten ihr. Auf Einladung des damaligen Innenministers Harold L. Ickes sollte sie stattdessen vor dem Lincoln-Denkmal singen. Am 9. April 1939 trat sie mit Arien, Liedern und Spirituals auf den Stufen des Memorials auf – vor 75.000 Menschen.

Anderson Lincoln

Marian Anderson singt 1939 vor dem Lincoln Memorial.

(Foto: Public Domain)

Spätestens mit diesem Auftritt war sie nicht mehr nur eine Sängerin, sie war ein Symbol – und ein Vorbild für viele afroamerikanische MusikerInnen. Auch am 7. Januar 1955, als sie im Spätherbst ihrer Karriere als erste schwarze Sängerin von Rudolf Bing endlich an der New Yorker Metropolitan Opera engagiert wurde – wozu wohlgemerkt der Aufsichtsrat der Met dem Intendanten nicht gratulierte. ¶

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