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Musikgeschichten: 13. Dezember (1797)

Ironie und tragischer Ernst: Der Dichter Heinrich Heine

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Georg Holzer
Georg Holzer
13.12.2019

Er ist, ohne Zweifel, ein deutscher Klassiker, oder sogar ein internationaler. Unzählige Straßen in Stadtzentren sind nach ihm benannt, die Universität seiner Geburtsstadt Düsseldorf heißt wie er, Preise, Professuren und Schulen tragen seinen Namen. Wer seinen Nachruhm sieht, käme kaum auf die Idee, dass der Dichter Heinrich Heine sein Leben lang ein Außenseiter war, in seinem Heimatland so lange verkannt und angefeindet, bis er ins Exil ging.

Heinrich Heine 16 9

Heinrich Heine

(Foto: Public Domain)

Als Harry Heine wurde er am 13. Dezember 1797 in eine aufgeklärte jüdische Familie geboren. Für Religion interessierte sich Heine nicht, seine jüdische Abstammung war ihm gleichgültig. Dass er zum Protestantismus konvertierte, um aufsteigen zu können, nützte ihm wenig. In den Augen der kulturellen Elite, die im Deutschland seiner Zeit den Ton angab, blieb er der jüdische Emporkömmling, ein vaterlandsloser, unzuverlässiger Typ, den man von Universitäten und öffentlichen Funktionen, auch vom literarischen Ruhm fern halten musste.

Heute wird kaum jemand bestreiten, dass nur wenige so viel für die deutsche Sprache und Literatur getan haben wie Heinrich Heine. Und für die Musik, obwohl er selbst kein ausgesprochen musikalischer Mensch war. Das heißt, er war kein praktizierender Musiker. Denn seine Verse sind Musik, die von großen Komponisten oft nur einen Anstoß brauchte, um sich in Töne zu verwandeln. Heine war der Erbe, der Vollender und Überwinder der deutschen Romantik. Er selbst formulierte das so:

»Das tausendjährige Reich der Romantik hat ein Ende, und ich selbst war sein letzter und abgedankter Fabelkönig.«

Für die romantischen Komponistinnen und Komponisten, die den Literaten zeitlich ein paar Jahrzehnte hinterherhingen, wurden Heines Gedichte und Zyklen zu einer unerschöpflichen Fundgrube. Franz Schubert und Robert Schumann sind sicher die wirkmächtigsten Heine-Vertoner, doch die Zahl der Musiker, die Heines Texte verwendeten, geht in die Hunderte oder Tausende.

Das Faszinierende und immer wieder Überraschende an Heines Lyrik ist, dass sie ganz ernst ist und trotzdem ironisch, ergreifend und trotzdem witzig. Diesen Spagat musikalisch auszudrücken, ist schwierig und manchmal fast unmöglich. Schumanns Zyklus Dichterliebe nach ausgewählten Gedichten aus Heines Buch der Lieder ist dafür das beste Beispiel: Schumann hat Musik von unvergänglicher Schönheit geschaffen, aber dem ironisch-tieftraurigen Ton der Gedichte wird er nur selten gerecht. Beispiele, wie Heine und die Musik vollendet ineinander greifen, finden sich aber in einzelnen Liedern, so in Schuberts Musik des Schönen Fischermädchens. Hier ist die Musik wie der Text, heiter, unernst und trotzdem voll von tiefem, wahrem Gefühl.

In Paris, der Stadt, die er aus Enttäuschung über Deutschland zu seiner Heimat machte, traf Heinrich Heine einige der großen Musiker seiner Zeit, Berlioz, Chopin und auch den Mit-Exilanten Richard Wagner. Der tat ihm großes Unrecht, nahm aus Heines Schriften die Ideen zum Fliegenden Holländer und zu Tannhäuser und überzog ihn später mit antisemitischer Häme. In den Augen der Nachwelt hat Wagner sich damit blamiert und Heine keinen Schaden genommen. Denn der Humor und die (Selbst-)ironie, die Heine unsterblich gemacht haben, waren dem großen Wagner eher fremd. ¶

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