Musikgeschichten: 18. Mai (1911)

Eine Entdeckung post mortem: Komponist Gustav Mahler

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Lisa Günster
Lisa Günster
10.09.2020

Als Gustav Mahler mit seiner Frau Alma im Dezember 1907 Wien verlässt, um in New York ein Angebot der Metropolitan Opera anzunehmen, ist der Abschied der Wiener eindrucksvoll. Über zweihundert Bürger der Stadt versammeln sich, um der berühmten Künstlerpersönlichkeit ‚Baba‘, also ‚Lebewohl‘ zu sagen – Blumenkränze und Tränen inklusive.

Gustav Mahler profil 16 9

Gustav Mahler.

(Foto: Public Domain)

Nachdem Mahler zwanzigjährig sein Kompositionsstudium abschließt, macht er sich zunächst als Dirigent einen Namen, bis die Erfolge seiner musikalischen Karriere mit der Ernennung zum Kapellmeister an der Hofoper in Wien 1897 gekrönt werden. Sein erster musikalischer Gehversuch lag da einundzwanzig Jahre zurück: Eines seiner ersten Werke hatte der gebürtige Tscheche mit sechzehn Jahren komponiert.

Sein einziges kammermusikalisches Werk hatte Mahler mit sechzehn zu Papier gebracht.

In diesem Frühwerk lässt sich noch kaum die Experimentierfreudigkeit erkennen, die Mahler in seinen späteren Werken ausleben wird. Als junger Musikdirektor bemüht er sich um anderes: Er will die Musiktheater-Inszenierungen an der Hofoper modernisieren – was für ihn heißt, sie szenischer auszugestalten. Das Komponieren verlegt Mahler in seine Ferienzeiten und zieht sich an den Attersee, den Wörthersee und nach Südtirol zurück.

Mahlers Komponierhaeuschen

Eigens angefertigt: eines der Komponierhäuschen für den Komponisten. (Foto: Furukama, CC BY-SA 3.0)

In seinen diversen ‚Komponierhäuschen‘ entsteht auch die berühmte Kunstliedsammlung Des Knaben Wunderhorn.

»Wer hat denn das schöne, schöne Liedlein erdacht?«

Neben seinen Kompositionen und den regulären Aufgaben an der Hofoper verfolgt Mahler unermüdlich seine Modernisierungsbestrebungen. So gerät er immer wieder in Konflikt mit der Intendanz der Hofoper, was schließlich zu seinem erzwungenen Abschiednehmen aus Wien führt. New York wird ein Erfolg, Mahler wird beglückwünscht und eingeladen von vermögenden Bürgern der Stadt, die amerikanische Metropole verehrt den Nimmermüden.

Zum gesellschaftlichen Ereignis wird neben seinem Abschied aus Wien 1907 und seiner Ankunft in New York 1908 – sein Begräbnis 1911. Ein Jahr vor seinem frühen Tod hatte Mahler mit der Komposition seiner Symphonie Nr. 10 begonnen; sie blieb unvollendet.

Als Gustav Mahler stirbt, gilt er zwar als angesehener Dirigent; sein Format als Komponist wird aber erst mit der ‚Mahler-Renaissance‘ in den 1960er Jahren offenbar. Besonders die Symphonien werden aufgrund ihrer modernen musikalischen Ideen wertgeschätzt und zu Publikumslieblingen. Insofern hatte Mahler nicht unrecht, als er einmal erklärte:

»Die Zeit für meine Musik wird noch kommen« ¶

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